Rudolf Jakob Humm

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* 13.1.1895 Modena (I), † 27.1.1977 Zürich. ∞ Lili Crawford, Künstlerin. Vater des Bühnenbildners und Malers →Ambrosius H.

Jugend in Modena als Sohn eines Schweizer Kaufmanns. Studium der Physik und Nationalökonomie in München, Göttingen, Berlin und Zürich. Abbruch der Studien. Ab 1922 in Zürich freier Schriftsteller und Journalist. Führte zusammen mit seiner Frau am Zürcher Hechtplatz ein offenes Haus für Emigranten, veranstaltete literarische Abende (Erinnerungsbuch "Bei uns im Rabenhaus", 1963); als Untermieter wohnten dort unter anderen der Dramatiker Julius Hay, der Bühnenbildner →Wolfgang Roth, der Schriftsteller Albin Zollinger. Briefwechsel unter anderen mit Hermann Hesse. Seit 1940 schrieb und bearbeitete H. für das eigene Haus-Marionettentheater Stücke, die er mit seiner Frau und den von seinem Sohn gefertigten Puppen aufführte (Musik: Hans Rogner). Später Gastspiele bei den →Zürcher Marionetten, unter anderem "Der verwunschene Weiher" (nach Gogol, 1945/46), "Der Sturm" nach Shakespeare sowie H.s "Theseus und der Minotauros" (1943) und "Der Ritter zwischen Stern und Blume" (1947). 1950 gewann H. mit "Der Pfau muss gehen" den Wettbewerb für das Festspiel zur 600-Jahr-Feier des Eintritts Zürichs in die Eidgenossenschaft; Uraufführung am →Schauspielhaus Zürich (10.5.1951, Regie: →Oskar Wälterlin, Bühnenbild: Ambrosius H., Musik: Rogner). Seit 1945 war H. auch Hörspielautor; wegen Differenzen mit dem Direktor des Radio Studios Zürich aber vorerst keine Schweizer Produktion. 1954 erstes Hörspiel "Der Prophet gegen Ninive" beim Südwestfunk Baden-Baden (1973 als "Der Prophet vor Ninive" bei Schweizer Radio DRS). 1972 "Robespierre spielt Gott" (Musik: Emil Moser, Regie: →Walter Baumgartner). Weitere Hörspiele: "Ellonore" (nach dem Roman "Adolphe" von Benjamin Constant, 31.1.1976), "Rousseau war ausser Hause" (8.2.1975), "Der Verdacht" (1.6.1974), "Die Sendung" (18.6.1977), "Die vergoldete Nuss" (4.2.1978, nach H.s gleichnamigem Roman). Bekannter als sein dramatisches Schaffen sind H.s Prosawerke, etwa "Das Linsengericht" (1928), "Die Inseln" (1936), "Der Vogel Greif" (1953), "Kleine Komödie" (1958), "Die Nelke" (1962), "Spiel mit Valdivia" (1964) und seine Glossen in der unkonventionellen Einmannzeitschrift "Unsere Meinung". H. war auch als Übersetzer für die Büchergilde Gutenberg (Ignazio Silone, Monique Seint-Hélier, Orlando Spreng) und als Rezensent der "Weltwoche" tätig. Weitere Dramen: "Der Sohn des Bären", "Tristan da Cunha", "Die Wendung" (alle 1950), "Die Schule des Herrn Lamy" (1953).

Auszeichnungen

  • 1969 Literaturpreis der Stadt Zürich.

Nachlass

  • Zentralbibliothek Zürich.


Autor: Werner Wüthrich



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Wüthrich, Werner: Rudolf Jakob Humm, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 889.

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