Rudolf Joho

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* 12.4.1898 Grosshöchstetten BE, † 30.3.1966 Bern.

J. erlernte das väterliche Spenglerhandwerk, bevor er 1919 nach Deutschland ging, um zunächst in Köthen Chemie, dann in Leipzig und Berlin Philosophie, Literatur- und Theaterwissenschaft zu studieren. Er nahm Schauspielunterricht und gründete im Berliner Vorort Friedrichshagen ein Theater. Danach Engagements an verschiedenen deutschen Theatern, unter anderem 1925/26 Schauspieler an den Vereinigten Theatern Coesfeld-Dülmen, 1926/27 an der Pommerschen Landesbühne (mit Sitz in Berlin), 1928/29 am Staatlichen Theater Kassel, 1930/31 Spielleiter und Schauspieler am Landestheater für Ost- und Westpreußen in Königsberg, 1931/32 am Stadttheater Halberstadt, 1932/33 am Stadttheater Konstanz, 1933–38 an der Städtischen Bühne Hildesheim, 1938–42 zunächst Schauspieler, dann auch Dramaturg und Spielleiter an den Städtischen Bühnen Flensburg, 1942/43 Schauspieler am Dessauer Theater. 1943/44 war er Spielleiter des Schauspiels und Leiter der Kammerspiele des Staatstheaters Braunschweig, dessen Leitung er im August 1944 übernahm. Nach dem 1. September 1944, als im Dritten Reich alle Theater geschlossen wurden, kehrte J. in die Schweiz zurück. Als Gastregisseur inszenierte er 1946 am →Städtebundtheater Biel-Solothurn die Uraufführung von →Jakob Steblers "Symphonie in Moll". Er engagierte sich stark für das Laientheater und versah leitende Stellungen sowohl in der →GSVT wie auch in der →GSD (Vizepräsident 1946). Neben Schauspielen verfasste J. theaterwissenschaftliche Schriften, darunter Verzeichnisse schweizerischer Bühnenwerke aus dem Zeitraum 1900–55. Bühnenwerke: "Der Fluch der Schönheit" (1927), "Judas Ischariot" (1928), "Jürg Jenatsch" (Uraufführung 1936, Städtische Bühne Hildesheim), "Der Zuckerkrieg" (1939), "Tod Guiskards des Normannen" (Uraufführung 1943, Schauspielhaus Nürnberg), "Die Treppe der Gerechtigkeit" (1944), "Sägesse sing!"(Uraufführung 1945, Konolfingen), "Der Strom" (Festspiel, aufgeführt anlässlich des 16. eidgenössischen Pontonierwettfahrens Murgenthal 1946), "Die guldigi Waag" (Festspiel, aufgeführt anlässlich der Amtsgewerbeschau Konolfingen 1947), "Der Fall Liechti" (Uraufführung 1949, Konolfingen), "Die schwarzi Spinnele" (Uraufführung 1953, Konolfingen), "Dräckigs Wasser i der Geissmatt" (1960), "O, die neumödische Maschine!"(1962).

Auszeichnungen

  • 1948 Hörspielpreis Radio Bern,
  • 1959 Literaturpreis der Stadt Bern.

Literatur

  • Berner Schriftstellerverein (Hg.): Berner Schrifttum der Gegenwart, 1949.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Rudolf Joho, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 934–935.

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