Rudolf Kelterborn

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* 3.9.1931 Basel. ∞ Erika Salathé, Geigerin.

Musikstudium an der →Musik-Akademie der Stadt Basel (unter anderem Komposition bei Walther Geiser), in Zürich (Komposition privat bei →Willy Burkhard), Salzburg (1953 Kompositionskurs bei Boris Blacher) und Detmold (1955 bei Wolfgang Fortner und Günter Bialas) sowie 1956 und 1960 Teilnahme an den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. Langjährige Lehrtätigkeit, 1955–60 Theorielehrer und Chorleiter an der Musik-Akademie der Stadt Basel, 1960–68 Theorie- und Kompositionslehrer an der Nordwestdeutschen Musikakademie in Detmold, ab 1963 als Professor. 1968–75 und 1980–83 Dozent an Konservatorium und Musikhochschule Zürich, 1971–75 auch Leiter der Hochschulabteilung. 1980–83 Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe und 1983–94 Direktor der Musik-Akademie der Stadt Basel, Dozent bis 1996. 1969–74 war K. Chefredaktor der Schweizerischen Musikzeitung, 1974–80 Hauptabteilungsleiter Musik von Radio DRS. 1986 gemeinsam mit →Heinz Holliger und →Jürg Wyttenbach Gründung der Konzertreihe "Basler Musik Forum", dessen Programmverantwortlicher bis 1997. Gastdirigent und Dozent unter anderem für Analyse in den USA, England, China und Japan. Bei der Stoffwahl für einige seiner Opern überführt K. antike Tragödien oder Sujets von Shakespeare in ein aktuelles gedankliches Bezugsnetz und setzt archetypische Themen in neuesten Dramentexten musikalisch um. Sämtliche Opern thematisieren Fragen nach der Würde und dem Sinn des Lebens oder sind politische Parabeln. Prägend war insbesondere die Zusammenarbeit mit →Herbert Meier und →Friedrich Dürrenmatt. Bereits in "Die Errettung Thebens" (Libretto: K., Uraufführung 23.6.1963 am →Opernhaus Zürich, Regie: →Hans Zimmermann, musikalische Leitung: →Christian Vöchting) und in "Kaiser Jovian" (Libretto: Meier nach dessen "Römischer Komödie", Uraufführung 4.3.1967 am Badischen Staatstheater Karlsruhe) lässt K. antike Vorlagen auf mehreren Spiel- und Textebenen in einen aktuellen Kontext einfliessen. In der dreiaktigen Oper "Ein Engel kommt nach Babylon" (Libretto: Dürrenmatt, Uraufführung 5.6.1977 am Opernhaus Zürich, Regie: Götz Friedrich, musikalische Leitung: →Ferdinand Leitner) findet die bei K. übliche mehrschichtige vokale Sprache (Arioso, Rezitativ, Sprechgesang, Sprechen) eine äusserst virtuose Ausprägung. In "Der Kirschgarten" (Libretto: K. nach Tschechow, Uraufführung 4.12.1984 am Opernhaus Zürich, Regie: Nikolaus Lehnhoff, musikalische Leitung: →Ralf Weikert) wird mit musikalischen Mitteln der blühende Kirschgarten, der bei Tschechow für die Dekadenz einer zu Ende gehenden Epoche steht, als Symbol für die bedrohte Natur gedeutet. In "Ophelia" (Libretto: Meier nach Motiven von Shakespeare, Uraufführung 2.5.1984 an den Schwetzinger Festspielen in einer Gastinszenierung der Deutschen Oper Berlin, Regie: →Hans Hollmann) verstärkt K. das Prinzip einer deutlichen musikalischen Charakterzeichnung durch wechselnde Klangsprachen. In der Kammeroper "Julia" (Libretto: →David Freeman und K. nach Shakespeares "Romeo und Julia", →Gottfried Kellers "Romeo und Julia auf dem Dorfe" und einem aktuellen Motiv aus Israel, im Auftrag der →Opera Factory Zürich, Uraufführung 23.4.1991 am →Theaterhaus Gessnerallee in Zürich, Regie: Freeman, musikalische Leitung: →Brenton Langbein) tritt die mehrschichtige Erzählweise in die Nähe der Collage, wobei das Fragmentierte durch eine ritualisiert-gestische Musik verstärkt wird. Ausserdem wurde am 16.10.1971 "Miroirs" als Ballett am Opernhaus Zürich uraufgeführt (Choreografie: Michel Descombey, musikalische Leitung: →Matthias Aeschbacher) und am 16.2.1975 am →Stadttheater Bern das Ballett "Relations" (Choreografie: →Anna Menge, musikalische Leitung: Gérard Fruneau). 1982 entstand im Auftrag des Schweizer Fernsehens DRS "Die schwarze Spinne", eine musikalisch-dramatische Erzählung nach →Jeremias Gotthelf (Text: →Hansjörg Schneider), in einer Radio- und einer Fernsehfassung. Veröffentlichung zahlreicher Schriften: 1981 "Zum Beispiel Mozart", 1988 "Musik im Brennpunkt", 1993 "Analyse und Interpretation". 1981–83 war K. Präsident der Musikkommission der Tonhalle-Gesellschaft Zürich.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1961 Kompositionspreis der Stadt Stuttgart,
  • 1970 Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis,
  • 1973 Zürcher Radiopreis für die Sendereihe "Musik bewusst hören – Musik verstehen",
  • 1979 Ehrenmitglied des Schweizerischen Tonkünstlervereins,
  • 1984 Komponistenpreis des Schweizerischen Tonkünstlervereins und Kunstpreis der Stadt Basel,
  • 1997 Mitglied der freien Akademie der Künste Mannheim.

Literatur

  • Werkverzeichnis R. K., 1992.
  • Briner, Andres/Gartmann, Thomas/Meyer, Felix (Hg.): R. K., 1993.

Vorlass

  • Paul Sacher Stiftung, Basel.


Autor: Hanspeter Renggli



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Renggli, Hanspeter: Rudolf Kelterborn, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 985–986.

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