Rudolf Mazzola

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* 22.4.1941 Basel.

Zunächst Tätigkeit als Lehrer für schwer erziehbare Jugendliche. Gesangsausbildung an der →Musik-Akademie der Stadt Basel (bei →Paul Sandoz). 1967–69 Mitglied des →Internationalen Opernstudios Zürich. Engagements 1969–71 am →Stadttheater St. Gallen, 1971–75 an den →Basler Theatern, 1975–77 an der Volksoper Wien sowie 1977–2002 an der Staatsoper Wien, der er seither als Gast verbunden ist. M. debütierte 1968 am →Opernhaus Zürich als Gepetto in der Uraufführung von →Kurt Pahlen/→Hans Zimmermanns Kindermusical "Pinocchio". In St. Gallen gestaltete er mit Sir John Falstaff in Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor", Filippo II in Verdis "Don Carlo" und Daland in →Richard Wagners "Der fliegende Holländer" herausragende Rollenporträts, zu welchen in Basel unter anderem Baron Ochs in Richard Strauss’ "Der Rosenkavalier", Padre Guardiano in Verdis "La forza del destino" und der Grande Inquisitore in dessen "Don Carlo" kamen. Mit Osmin in Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" erlangte er an der Wiener Volksoper einen bedeutenden Erfolg, der zu seinem späteren Engagement an die Staatsoper beitrug. Im Lauf von zweieinhalb Jahrzehnten erwarb sich M. dort durch eine Vielzahl sorgfältig und liebevoll ausgearbeiteter Partien im seriösen und komischen Bassfach grosse Beliebtheit. Zu seinem Repertoire gehörten Schigolch in Bergs "Lulu" und der Doktor in dessen "Wozzeck", der Bürgermeister in Henzes "Der junge Lord", die Mozart-Partien Don Alfonso in "Così fan tutte", Osmin, Dr. Bartolo in "Le nozze di Figaro" und Sarastro in "Die Zauberflöte", Anton Brus von Müglitz in Pfitzners "Palestrina", die Puccini-Partien Colline in "La Bohème", Simone in "Gianni Schicchi", Geronte de Ravoir in "Manon Lescaut" und Sagrestano in "Tosca", Oberlin in Wolfgang Rihms "Jakob Lenz", Don Basilio in Rossinis "Il barbiere di Siviglia" und Alidoro in dessen "La Cenerentola", Kezal in Smetanas "Die verkaufte Braut", die Richard-Strauss-Partien Truffaldin in "Ariadne auf Naxos", La Roche in "Capriccio" und Vanuzzi in "Die schweigsame Frau", Surin in Tschaikowskys "Pique Dame" sowie Pistola in Verdis "Falstaff". M. wirkte ausserdem in mehreren Uraufführungen mit, so sang er 1995 Kardinal Alfonso Gesualdo in Alfred Schnittkes "Gesualdo" an der Staatsoper Wien sowie 1990 Müff Müff in Gottfried von Einems "Tulifant" und Sebastian Kundrather in Kreneks "Kehraus um St. Stephan", beides Produktionen der Vereinigten Bühnen Wien im Ronacher. M. gastierte im Verlauf seiner Karriere unter anderem in Athen, am Gran Teatre del Liceu Barcelona, an den Basler Theatern (1978 van Bett in Lortzings "Zar und Zimmermann", 1980 Pimen in Mussorgskys "Boris Godunow", 1982 Osmin und 1987 Titelpartie in Donizettis "Don Pasquale"), an der Staatsoper Berlin, in Bordeaux, an der Staatsoper Budapest, bei den Bregenzer Festspielen, beim Maggio Musicale Fiorentino in Florenz (1998 Doktor unter Zubin Mehta), in Frankfurt am Main, Graz, an der Hamburgischen Staatsoper, in Lüttich, an der Bayerischen Staatsoper München (1978 Kezal), in Nizza, an der Opéra Comique Paris, bei den Salzburger Festspielen (1981 Bettler in der Uraufführung von Cerhas "Baal", Regie: Otto Schenk, musikalische Leitung: Christoph von Dohnányi), in Turin, Toronto und am Opernhaus Zürich (1986 Osmin, 1992 Don Basilio). M. sang ausserdem 2001 die szenische Uraufführung des von ihm angeregten und von →Jost Meier komponierten Jandl-Zyklus "An diesen sonnigen Tagen …"beim Festival "Klangforum Wien" (1998 auf CD erschienen). Er tritt auch als Konzertsänger auf. Verschiedene Aufnahmen auf Tonträger.

Auszeichnungen

  • 1988 Kammersänger der Wiener Staatsoper.


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Rudolf Mazzola, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1212–1213.

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