Rudolf Stössel

Aus Theaterlexikon
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* 30.11.1903 Frauenfeld TG, † 27.11.1998 St. Gallen.

1923–27 Studium der Physik und Mathematik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, anschliessend bis 1930 Assistent bei Paul Scherrer, 1931 Promotion zum Doktor der mathematischen Naturwissenschaften. 1931–72 war S. als Lehrer für Physik und Mathematik am Kantonalen Lehrerseminar in Rorschach tätig, wo er ab 1936 gemeinsam mit seiner Frau Thildi S.-Stingelin Musik- und Theaterprojekte zu realisieren begann. Mit wechselnden Ensembles aus Bekannten sowie Schülerinnen und Schülern entstanden vierzehn Puppenspiele mit von S. geschnitzten Handpuppen, zunächst Stücke von Pocci, später die Opern "Die Maienkönigin" und "Der betrogene Kadi" von Christoph Willibald Gluck sowie "Theseus und der Minotaurus" von →Rudolf J. Humm. Ab 1957 als Spieler, Regisseur und Figurenbauer Mitarbeit am →St. Galler Puppentheater. 1962/63 entstand das "Wilhelm Busch-Programm" (Musik: →Heinrich Sutermeister, Handpuppen), 1966/67 "Schattenspieler Luchsens Neckarreise" nach Justinus Kerners Roman "Reiseschatten", 1974 "Das Puppenspiel von Doktor Faust" mit Wurzelfiguren. Mit dem Schattenspiel-Nummernprogramm "Schatten am Rande" von 1978 kreierte S. völlig neue Instrumentarien zur Darstellung des Fantastischen, Übersinnlichen und fand – auch durch Vorträge, Ausstellungen und Seminare – als innovativer Vertreter des modernen Schattenspiels breite Anerkennung, insbesondere durch seine Anordnungen von Polarisationsfiltern, doppelbrechenden Substanzen, Glimmerstücken und Naturmaterialien zur unterschiedlichsten Brechung des Lichts. Neben den längeren Schattenspielen für das St. Galler Puppentheater, "Die Legende von den drei Pfändern der Liebe" (Musik: →Armin Schibler, 1981 im Rahmen des "Kleinen Sommertheaters"), dem Märchen "Iwas und die Hexe" (1981) und "Nacht der offenen Tür" (1983/84), schuf S. viele Kurzszenen zu Liedern und Gedichten. Zu seinem Lebenswerk gehören auch umfassende Studien zur Harmonik und zur Projektiven Geometrie. S. war Ehrenmitglied der →SVfP.

Literatur

  • Fröhlich, Kurt/Trüb, Hansueli (Hg.): R. S. Einblicke, Rückblicke, Lichtblicke, 1989.
  • Reusch, Rainer (Hg.): Schattentheater. Band 1: Autoren und Akteure, 1997.


Autor: Kurt Fröhlich



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Fröhlich, Kurt: Rudolf Stössel, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1761.

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