Rudolf Weisker

Aus Theaterlexikon
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* 23.2.1881 Leipzig (D), † 6.6.1961 Luzern. ∞ →Hede Weimann, Sängerin und Schauspielerin. Debüt 1902 am Sommertheater Celle (als schüchtern-komischer Liebhaber in →Charlotte Birch-Pfeiffers Lustspiel "Die Grille" und als Tenorbuffo in der Partie des Ottokar in Johann Strauß’ "Der Zigeunerbaron").

Erste Engagements als Operettenkomiker, Schauspieler und Regisseur 1902–05 am Stadttheater Lüneburg, 1905–07 am Stadttheater Flensburg und 1907–10 am Grossherzoglichen Hoftheater Neustrelitz. Danach wirkte W. 1910–15 sowie – nach vierjähriger Tätigkeit am Grossherzoglichen Hoftheater Darmstadt – erneut 1919–28 als Operettenkomiker, Schauspieler und Regisseur am →Stadttheater Basel. Darauf folgten Engagements als Darsteller und Oberspielleiter der Operette 1928–31 am Reußischen Theater Gera, 1931/32 am Stadttheater Augsburg, 1932–35 am Nassauischen Landestheater Wiesbaden und 1935–38 am Zentraltheater Magdeburg. 1938 bis zu seinem Tod war W. als Charakterkomiker im Sprech- und Musiktheater sowie bis 1956 als Oberspielleiter der Operette am →Stadttheater Luzern engagiert. In Luzern leitete er zudem Anfang der fünfziger Jahre das Neue intime Theater im Kursaal, das mit Ensemblemitgliedern des Stadttheaters und Gästen jeweils in den Sommermonaten Lustspiele zeigte. Grosse Popularität erwarb sich W. in Basel und Luzern als komischer Charakterdarsteller in Operetten, bei denen er meist auch Regie führte, so etwa als Wilhelm Giesecke in →Ralph Benatzkys "Im weissen Rössl", Matthäus Scheichelroither in Falls "Der fidele Bauer" und König in dessen "Madame Pompadour", Célestin in Hervés "Mamzelle Nitouche", Blasius Römer in Léon Jessels "Schwarzwaldmädel" sowie in den Kálmán-Partien Feri von Kerekes in "Die Csárdásfürstin", Fürst Populescu in "Gräfin Mariza" und Prinz Sergius Wladimir in "Die Zirkusprinzessin", in den Lehár-Partien Fürst Basil Basilowitsch in "Der Graf von Luxemburg" und Baron Mirko Zeta in "Die lustige Witwe", als Oberst Ollendorf in Millöckers "Der Bettelstudent", Pan Jan Zaremba in Oskar Nedbals "Polenblut", Jupiter in Offenbachs "Orphée aux enfers", Fürst Joachim XIII. in Oscar Straus’ "Ein Walzertraum", in den Johann-Strauß’-Partien Gefängnisdirektor Frank in "Die Fledermaus" und Kálmán Zsupán in "Der Zigeunerbaron", als Lambertuccio in Suppés "Boccaccio" sowie Baron Weps in Zellers "Der Vogelhändler". In Basel war W. ausserdem an der Uraufführung von →Karl Heinrich Davids "Aschenputtel" (1921 als Hofmarschall, Regie: →Oskar Wälterlin, musikalische Leitung: →Gottfried Becker) wie auch an den Schweizer Erstaufführungen der Operetten "Phi-Phi" von Henri Christiné (1926 in der Titelpartie, Regie: Wälterlin, musikalische Leitung: Franz Loschelder) und "Der Zarewitsch" von Lehár (1927 als Bordolo, Regie: W., musikalische Leitung: Loschelder) beteiligt. Im Schauspiel gestaltete er in Luzern unter anderem 1942 den obersten Eunuchen der Kaiserin in der Uraufführung von Bruno Franks "Die verbotene Stadt" (Regie: →Paul Schill) und Hofmarschall von Kalb in Schillers "Kabale und Liebe", 1943 den ersten Totengräber in Shakespeares "Hamlet", 1944 Marcenac in →Alfred Gehris "Neues aus der 6. Etage" und Tobias von Rülp in Shakespeares "Was ihr wollt", 1946 den alten Gobbo in dessen "Kaufmann von Venedig" und Dr. Goldenthal in Schnitzlers "Professor Bernhardi", 1947 den Wirt in Lessings "Minna von Barnhelm", 1949 Don Amsel in der deutschsprachigen Erstaufführung von García Lorcas "Die wundersame Schustersfrau" (Regie: →Albert Wiesner), 1954 Achilles in →Friedrich Dürrenmatts "Romulus der Grosse", 1959 einen alten Trauergast in der Schweizer Erstaufführung von Strindbergs "Nach Damaskus" (Regie: →Walter Oberer) und den alten Obrist in →Bertolt Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder".



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Rudolf Weisker, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2066–2067.