Schlachthaus Theater, Bern BE

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Gastspiel- und Koproduktionsbetrieb ohne festes Ensemble, alle Sparten

Seit 1978 wurde das sich im Besitz der Stadt Bern befindende Alte Schlachthaus jeweils im Sommer als Mehrzweckraum genutzt, unter anderem bei schlechtem Wetter als Ausweichspielstätte für den Berner Altstadtsommer, für verschiedene Freiluftkonzerte, für Produktionen des →Stadttheaters Bern, für Jazzkonzerte, Kammermusikabende sowie Ausstellungen. Die Verwaltung des Alten Schlachthauses erfolgte durch das Sekretariat für kulturelle Fragen. Nach einem Umbau 1981/82, der die ganzjährige Nutzung ermöglichte, stand das Alte Schlachthaus 1982–84 dem Stadttheater Bern, das sich in Renovation befand, zur Verfügung. Ab September 1984 konnte das Haus für verschiedenste kulturelle Veranstaltungen gemietet werden. Es gab kein festes Programmkonzept; die Koordination erfolgte durch eine vierköpfige Betriebskommission, die aus je zwei Vertretern der städtischen Verwaltung und der Berner Kulturschaffenden bestand. Technischer Leiter ist seit 1984 Stefan Schrade. Das Stadttheater nutzte das Alte Schlachthaus zunehmend als Aussenspielstätte. Daneben wurden Inszenierungen von freien Theatergruppen aus dem In- und Ausland sowie Amateurtheater, musikalische Produktionen (von der Kammeroper bis zum Popkonzert), Tanz- und Pantomimeaufführungen sowie Kabarett gezeigt. Zudem fanden Aufführungen des Festivals →Auawirleben sowie 1985 und 1986 des Internationalen Festivals kleiner Bühnen Bern statt. Ab Herbst 1996 bespielte das Stadttheater Bern das Alte Schlachthaus nicht mehr, die Stadt bewilligte am 14.11.1996 im Rahmen eines neuen Nutzungskonzeptes eine Subvention für fünf Jahre. Ab dem 31.12.1997 wurde das S. während vier Tagen mit zahlreichen Gastauftritten von Schweizer Künstlern neu eröffnet, am 7.1.1998 wurde der reguläre Theaterbetrieb mit →Agota Kristofs "Das grosse Heft", einem Gastspiel des Theaters zum westlichen Stadthirschen aus Berlin, aufgenommen. Geleitet wurde das S. von einem dreiköpfigen Team, das für die Programmation einzelner Bereiche zuständig war: Friedrich A. Roesner (Erwachsenentheater), Sandro Lunin (Kinder- und Jugendtheater) und →Urs Rietmann (Administration und Rahmenveranstaltungen). Ab 2000 waren Lunin und Rietmann als Koleiter für das S. verantwortlich, 2003 wurde Rietmann von Myriam Prongué abgelöst. Rechtsträger des S. ist der am 21.10.1996 gegründete Verein "Interessengemeinschaft Altes Schlachthaus (VIAS)", seit 2000 "Verein Schlachthaus Theater Bern". Das S. soll laut Leitbild "neue Tendenzen und Experimente im Theaterschaffen zeigen und sie zur Diskussion stellen und Forschungs- und Entwicklungsarbeit im freien Theaterschaffen durch Kontinuität und längerfristige Planung unterstützen"; Theater für Erwachsene sowie Kinder- und Jugendtheater sollen zu gleichen Teilen berücksichtigt werden. Im S. treten freie Gruppen aus dem In- und Ausland auf. Seit 1998 realisiert das S. mit dem →Theater an der Winkelwiese in Zürich und dem →Theater Tuchlaube in Aarau Koproduktionen. Gemeinsam lancieren diese drei Theater (zusammen mit anderen Beteiligten) seit 2000 auch das Dramatikerförderungsmodell "Dramenprozessor". Zudem werden Aufführungen regelmässig stattfindender Veranstaltungsreihen im S. gezeigt, dazu gehören neben dem Festival Auawirleben das Performance Festival "Bone" (seit 1998), "Afrique noir" (zeitgenössische Kultur aus West- und Zentralafrika), die →Berner Tanztage (seit 1999), die Kinder- und Jugendtheaterfestivals →Blickfelder (seit 2000) und "Spot". Ausserdem wurden mehrmals Figurentheatertage sowie Kinder- und Bilderbuchwochen veranstaltet.

Spielstätte

Rathausgasse 20/22, 3011 Bern. Rathausgasse 22: Ehemaliges Schlachthaus 1768/69 von Niklaus Hebler und Ludwig Emanuel Zehender erbaut, seit 1914 unter anderem als Lagerraum genutzt, 1945 Fassadenrenovation, 1970 Dachsanierung. Rathausgasse 20: 1554 erbaut, 1840 erweitert, 1930 von der Stadt gekauft. 1981/82 Umbau zur kulturellen Nutzung (unter anderem Einbau von Heizung, Isolation, Dachsanierung), Architekt: Kurt M. Gossenreiter. Platzkapazität: rund 130 Plätze. Einheitshalle: zirka 10 m breit, 5 m hoch, 18 m tief. Bühnenraum: flexibel, in der Regel zirka 10 m breit, 8 m tief.

Literatur

  • Leis, Sandra: Heisshunger auf die Schlachtplatte. In: Koslowski, Stefan/Kotte, Andreas/Sorg, Reto (Hg.): Theater. Berner Almanach, Bd. 3, 2000.


Autorin: Eveline Gfeller



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gfeller, Eveline: Schlachthaus Theater, Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1607.