Schwarzes Theater Zürich, Volketswil ZH

Aus Theaterlexikon
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Figurentheater, Tourneebühne, Eigenproduktionen für Erwachsene und Kinder, Koproduktionen sowie Film- und Fernsehproduktionen

Der diplomierte Puppenspieler Jiří Procházka (geboren 1935), zunächst Szenograf der Theaterakademie in Prag und Mitglied der Truppe Černý Tyjátr Prag, gründete nach seiner Übersiedlung in die Schweiz zusammen mit einer kleinen Gruppe anderer tschechoslowakischer Emigranten 1969 in Volketswil das S. Künstlerischer und administrativer Leiter sowie Eigentümer und Rechtsträger des S. ist Procházka. Während der ersten sechs Jahre ihres Bestehens brachte die Truppe, die sich der Spielweise des schwarzen Theaters verschrieben hatte, parodistische Nummernprogramme heraus, die in Theatern der Schweiz und Deutschlands sowie in über zwanzig Weltstädten gezeigt wurden, beispielsweise "Der Froschkönig" (1969), "Die Hände" (1970), "Plop" (1971) und "Madame Butterfly" (1972). 1975 produzierte das S. seine ersten Kinderstücke mit "Peter und der Wolf" und "Gaby in Gefahr" (beide koproduziert von Edi Baur von der →Zürcher Märchenbühne, Regie und Figuren: Procházka, Sprecherin ab Band: →Ines Torelli) und bereiste dann mit weiteren, dreisprachig angebotenen Produktionen wie "Pinocchio" (1976) und "Aladin und die Wunderlampe" (1981) jahrelang die ganze Schweiz im Auftrag der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA) (ab 1989 Credit Suisse). Besonders erfolgreich war das fantasievolle Multimedia-Clownspiel "Brambulabum", das der Regisseur →Ctibor Turba mit Procházka 1978 an der →Scuola Teatro Dimitri in Verscio inszenierte (dort unter dem Titel: "La paura ch’a occhi grandi"). Insgesamt brachte das S. für sein Kindertheaterprogramm rund 15 Spiele heraus, in denen es Puppen und Objekte mittels der Spielweise des schwarzen Theaters animierte und durch Lumineszenz magisch erscheinen liess. Bisweilen wurde diese Spielweise mit Pantomime und Schauspiel, Film-, Video- und Diaprojektionen kombiniert, beispielsweise in "Dr. Dolittle und seine Tiere" (1984), "Wie Rübezahl seinen Namen erhielt" (1991) und "Der kleine Prinz" (1998). In den neunziger Jahren gab das S. hauptsächlich in Deutschland, Österreich, Norditalien, aber auch in der Schweiz Gastspiele. Daneben entstanden zahlreiche Produktionen für das Schweizer Fernsehen DRS (beispielsweise 1988 die mehrteilige Kindersendung "Michi & Chrigi" als reiner Marionettenfilm) und Fernsehgesellschaften anderer westeuropäischer Länder; zudem wurden viele bestehende Theaterstücke und Varietéprogramme ausgestrahlt. Neuerdings wendet das S. auch moderne Techniken wie Computeranimation und Blue Box für Werbefilme wie für Theaterproduktionen an. Verbandsmitglied: →UNIMA Suisse.



Autor: Gustav Gysin



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gysin, Gustav: Schwarzes Theater Zürich, Volketswil ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1651–1652.