Seefeld-Tanzprojekt, Zürich ZH

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Spielstätte und Probelokal für Tanztheater und Performancekunst, Gastspiele

Das S. wurde 1983 von den Tänzerinnen und Choreografinnen Stacy Wirth und Esther Maria Häusler gegründet, um freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern auf dem Gebiet des experimentellen Tanz- und Performanceschaffens eine Plattform zu bieten. Seit 1986 wird das S. als Stiftung geführt. Das erste Leitungsteam bestand aus Wirth, Häusler und Esther Fuchs. Weiter prägten die sich ablösenden Tanzschaffenden →Monica Klingler, Karin Haas, Gabi Glinz, Ursi Wirth, →Nelly Bütikofer, Salome Schneebeli und Eve Bhend das S. Auf der gemieteten Studiobühne an der Seefeldstrasse 108, in einem hundert Quadratmeter grossen, hohen Saal, traten in der Folge Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz, Deutschland, den USA, Japan und anderen Ländern auf und zeigten Performances, Werkausschnitte, Werkstattproben sowie fertige Stücke: unter anderen →Christine Brodbeck, Stacy Wirth, Takuya Ishide, Esther Jacques-Fuchs, →Yvonne Meier, →Franz Frautschi. Die Aufführungen, auch thematische Blockveranstaltungen, im Zürcher Seefeld fanden grossen Zuspruch. Von Anfang an sollte der Raum der experimentellen Tanzszene als Probelokal und Ort der Recherche dienen, musste aber zur Finanzierung auch für Kurse vermietet werden. Ab 1986 wurde das S. von der Stadt mit einem festen jährlichen Subventionsbetrag unterstützt, der aber nur einen Drittel der Mietkosten deckte. 1989 konnten vom S. aus finanziellen Gründen nur noch Kurse durchgeführt werden. 1990 wurde es von der Tanzkommission der Stadt Zürich zum Pilotprojekt für ein geplantes Tanzhaus erklärt und erhielt so 1990–92 erstmals eine Dreijahressubvention zur Deckung der Miet- und Betriebskosten, die – allerdings deutlich gekürzt – bis 1996 verlängert wurde. 1990–97 wurde das S. als Ateliergemeinschaft betrieben, die jeweils aus etwa fünf Tänzerinnen bestand (Wirth und Häusler waren 1990 noch beteiligt). Ab diesem Zeitpunkt konnten wieder Aufführungen gezeigt werden. 1996 wurde das Tanzhaus Wasserwerk in Zürich eröffnet. Aus Gründen der Unabhängigkeit verzichtete das S. darauf, dort einzuziehen, obwohl die Subventionen für die Infrastruktur des S. gestrichen wurden. Anfang 1998 beschloss der Stiftungsrat, die Stiftung trotz enormer finanzieller Schwierigkeiten weiterzuführen, während das Betreiberteam aufgelöst wurde. Bereits im Sommer 1998 übernahmen Jacques-Fuchs, Ursula Wyssling-Höhn (Performers Research Group) sowie Catherine Maïkoff und Irene Herrmann-Bachofen (Co. Icetera) neu die Leitung. Sie stellten den Raum weiterhin für künstlerische Recherchen, Proben und Aufführungen im Bereich experimentellen Tanzschaffens zur Verfügung. Selbst begannen sie eine Zusammenarbeit mit Milon Mela, einer indischen Truppe vom Theatre House in Santiniketan (Indien), um mögliche Verbindungen von zeitgenössisch Experimentellem mit traditionell Rituellem zu erforschen.

Auszeichnungen

  • 1991 Werkbeitrag der Stadt Zürich an Häusler und Stacy Wirth für ihr S.


Autorin: Lilo Weber



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Weber, Lilo: Seefeld-Tanzprojekt, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1670–1671.