Silvio Varviso

Aus Theaterlexikon
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* 26.2.1924 Zürich. Sohn des Opernsängers Adolf V.

Musikalische Ausbildung am Konservatorium Zürich, wo er bei Walter Frey Klavier und bei Paul Müller-Zürich Orchesterleitung studierte, weitere Ausbildung in Wien bei Clemens Krauss. 1944 Debüt als Dirigent am →Stadttheater St. Gallen mit Mozarts "Die Zauberflöte", 1946–50 Kapellmeister an diesem Haus. Dort dirigierte er vor allem Operetten (etwa von Kalmán, Lehár und →Paul Burkhards "3 x Georges") und komponierte diverse Schauspielmusiken. Er leitete die Uraufführung von →Heinrich Sutermeisters "Die schwarze Spinne" (1949, Regie: →Karl Gotthilf Kachler) und die szenische Erstaufführung von dessen Balladen "Die Füsse im Feuer" und "Fingerhütchen" (beide 1950, Regie: Kachler). 1950–62 am →Stadttheater Basel, seit 1954 als erster Kapellmeister, seit 1956 als musikalischer Oberleiter und Chefdirigent, ab 1960 zusätzlich als Kodirektor zusammen mit Adolf Zogg. Dort zunächst wiederum vor allem Operetten, ab Mitte der fünfziger Jahre vermehrt Opern (von Verdi, Puccini, Mozart, Richard Strauss, →Richard Wagner, Tschaikowsky und Prokofjew). 1958 brachte er Sutermeisters Oper "Titus Feuerfuchs" in der Regie von →Hermann Wedekind zur Uraufführung. Nicht nur Schweizer Komponisten waren ihm ein Anliegen, sondern auch junge Sänger, so förderte er beispielsweise Grace Bumbry und Montserrat Caballé, die beide in jenen Jahren in Basel sangen. Er setzte sich dafür ein, dass in Basel italienische Opern in der Originalsprache gesungen wurden. Seit 1958 internationale Tätigkeit mit Gastdirigaten an der Städtischen Oper Berlin, in Paris, 1959–61 zeitweise am Opernhaus von San Francisco. Seit 1962 ständiger Gastdirigent an der Metropolitan Opera New York, wo er 1961 mit Donizettis "Lucia di Lammermoor" als erster Schweizer Dirigent debütiert hatte. 1965–71 Chefdirigent an der Könglichen Oper in Stockholm, 1972–80 Generalmusikdirektor der Württembergischen Staatstheater Stuttgart. Anschliessend während eines Jahres musikalischer Leiter der Pariser Oper. Regelmässige Tätigkeit an den Staatsopern in Wien (seit 1965), München (seit 1974) und Hamburg (seit 1978) sowie an der Deutschen Oper Berlin (seit 1980). In den Jahren 1969–74 war er regelmässig Dirigent bei den Bayreuther Festspielen. 1986–90 Gast am →Opernhaus Zürich (1987 Puccinis "Madama Butterfly", Regie: Joachim Herz). Seit 1990 Principal Guest Conductor der Flämischen Oper Antwerpen. Herausragende Neueinstudierungen vor allem der Werke von Richard Strauss, Verdi und Wagner; Zusammenarbeit mit den Regisseuren Götz Friedrich, Hans Neuenfels und Folke Albenius. Zahlreiche Einspielungen auf Tonträger.



Autorin: Ingrid Bigler-Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bigler-Marschall, Ingrid: Silvio Varviso, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1994–1995.

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