Théâtre pour le moment, Bern BE

Aus Theaterlexikon
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Freie Theatergruppe mit festem, deutsch- und französischsprachigem Ensemble

Das T. wurde 1981 von Dominique Bourquin, Philippe Vuilleumier, Stina Durrer und Philippe Jeanloz in Bern gegründet. Langjährige Beteiligte waren zudem Dominique Dardant, Irène Howald, Stefan H. Kraft, Christiane Margrainter und Thomas Steiger. Die Arbeit des T. ist ausschliesslich auf das theatralische Experiment mit Sprache, Bewegung, Räumen und Bildern ausgerichtet. Nicht die durchgängige, abgerundete Geschichte, sondern die Problematik des Erzählens steht im Vordergrund, das Faktum, dass eine Figur in all ihren Facetten reicher, spannender und widersprüchlicher ist, als eine abgeschlossene Geschichte sie zeigen kann. Zudem arbeitet das T. konsequent mit Zwei- oder Mehrsprachigkeit, neben Deutsch und Französisch je nach Produktion auch mit Englisch. Durch Bourquins Begegnung mit Kazuo Ohno, Mitbegründer des Buto, und durch langjährige Auseinandersetzung Bourquins mit dieser japanischen Tanztheaterbewegung, entwickelte das T. Ende der achtziger Jahre einen eigenen Stil. Regie führt oft Bourquin, die künstlerische Leiterin der Truppe. Seit 1981 entstanden über zwanzig Produktionen, die oft einen nichttheatralen Text zur Grundlage hatten. Premiere war meist in Bern, danach wurden die Stücke in verschiedenen Kleintheatern der Schweiz und teils im Ausland gezeigt: 1982 "Graal Flibuste" nach →Robert Pinget, 1983 "Kouboa" mit Texten aus Knut Hamsuns Roman "Hunger", 1984 "Hamlet" nach Shakespeare, 1985 "Châteaux en Espagne" nach Miguel de Cervantes’ "Don Quichotte", 1987 "A Monsieur O", eine Hommage an Kazuo Ohno, 1988 "A la belle étoile/Unter freiem Himmel" als Freiluftheater, 1989 "Porteur d’eau/Wasserträger", 1991 "Amé", 1993 Francesco Micielis "Le silence, wenn kein Zug fährt", 1995 "(Ici aussi et même ici)/(Hier auch oder selbst hier)" nach →Charles Ferdinand Ramuz’ "Présence de la mort", 1996 "Amandes amères/Bittere Mandeln" als Freiluftproduktion, 1998 "Flibbertigibbet" nach Shakespeares "King Lear" im Rahmen der "Jeux Républicains" zum 150-Jahr-Jubiläum des Schweizer Bundesstaats, 2000 Bourquin/Margrainters "Patte d’oie" und 2002 Bourquin/Catherine Meyers "Qu’est-ce que tu vois donc?". Das T. finanziert sich unter anderem durch Beiträge der Stadt und des Kantons Bern sowie von Stiftungen und Sponsoren. Verbandsmitglied: →VTS, →KTV.

Auszeichnungen

  • 1995 Kulturpreis der Bürgi-Willert-Stiftung.


Autor: Peter Arnold



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Arnold, Peter: Théâtre pour le moment, Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1932–1933.