Theater- und Musikgesellschaft Zug, Zug ZG

Aus Theaterlexikon
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Amateurtheater, Eigenproduktionen, hauptsächlich Musiktheater, Gastspielbetrieb

1782 wurde auf Beschluss des Stadtrats im ersten Stock des Metzgergebäudes am Kolinplatz ein Theaterraum eingerichtet. Bereits vor der Gründung der T. gaben Bürgerinnen und Bürger Zugs dort sporadisch Vorstellungen. 1808 wurde dann die Theatergesellschaft Zug gegründet, die sich mit der Musikgesellschaft zur T. zusammenschloss. 1810 fand deren erste Aufführung in der "Metzg" statt: August von Kotzebues Trauerspiel "Das Gastrecht". Es folgten weitere Stücke von Kotzebue, Theodor Körner, Ignaz Franz Castelli, →Charlotte Birch-Pfeiffer, Oscar von Redwitz, Ernst Raupach, Carl Georg Jakob Sailer, also von Schauspielen, Lustspielen und Possen, die im 19. Jahrhundert auch im Repertoire der deutschsprachigen Berufsbühnen geboten wurden. Zudem gab die T. Molières "Der eingebildete Kranke" und "Die Schule der Frauen" sowie Calderóns "Das Leben ein Traum". Die T. machte sich allerdings vor allem mit Musiktheateraufführungen einen Namen. 1859 wurde erstmals eine Oper aufgeführt: Donizettis "Die Regimentstochter". Anfänglich noch im Wechsel mit Schauspielen von Roderich Benedix, Salomon Mosenthal, Birch-Pfeiffer und Redwitz wurden Boïeldieus "Die weisse Dame", Webers "Der Freischütz", Lortzings "Zar und Zimmermann", dessen "Waffenschmied" und "Hans Sachs", Flotows "Alessandro Stradella" und dessen "Martha" und Conradin Kreutzers "Das Nachtlager von Granada" gegeben. Seit 1925 konzentrierte sich die T. mit dem Engagement des Kapellmeisters Géza Fessler auf Opern- und Operettenaufführungen mit dem Schwerpunkt klassische Wiener Operette; sie spielte unter anderem Millöckers "Der Bettelstudent" und dessen "Gasparone", Zellers "Der Vogelhändler", Johann Strauß’ "Die Fledermaus" und dessen "Zigeunerbaron" und →Ralph Benatzkys "Im weissen Rössl". Die Produktionen wurden von professio­nellen Regisseuren, Dirigenten, Ballettmeistern und Bühnenbildnern geleitet, die Darsteller waren Laien. Unter anderen wirkten →Karl Schmid-Bloß, →Egon Neudegg, →Hans Zimmermann, →Fritz Schulz, →Werner Kraut, Carl Goldner und →Josef Elias als Regisseure, →Hans Macke, →Heinz Rosen, →Jaroslav Berger, →Herta Bamert und →Thea Obenaus als Choreografinnen und Choreografen und →Max Röthlisberger als Bühnenbildner. Ausser den Eigenproduktionen, welche die T. jährlich aufführte, wurde der Verein zunehmend als Kulturveranstalter für die Region Zug tätig und wichtig. Bereits seit 1910 absolvierten in- und ausländische Theater und Truppen in Zug Gastspiele im vereinseigenen →Casino. Seit 1951 organisiert die T. Gastspiele aller Sparten und Konzerte im Abonnement. 1960–66 veranstaltete sie jährlich in den Sommermonaten die Freilichtspiele in der Burg Zug unter der Regie von →Reinhart Spörri. Heute werden im Theater Casino Zug pro Jahr bis zu 800 Veranstaltungen durchgeführt, rund 130 davon sind öffentlich, etwa achtzig werden durch die T. angeboten, der die Programmation des Hauses obliegt. Das heutige Kulturveranstaltungsprogramm umfasst Sprechtheater, Musiktheater und Musicals, klassische Musik von Barock bis Moderne, klassisches Ballett mit Orchester und modernen Tanz, Jazz, Pop, Blues, Weltmusik, Kinder-, Jugend- und Familienprogramme. Die T. produziert auch weiterhin Eigeninszenierungen, beispielsweise 1981 die Revue "Kolin & Co.", 1988 die Uraufführung von →Silvio Huonders Jugendstück "Holzfresser" und 1989 →Paul Burkhards "Der schwarze Hecht". Die Aufführungen fanden 1843–1904 in dem von der T. in Auftrag gegebenen und zu einem Grossteil auch finanzierten Theater am Postplatz statt. Die Stadt Zug stellte das Bauland zur Verfügung und beteiligte sich an den Baukosten. 1904 wurde die weitere Nutzung des Theaters aus baupolizeilichen Gründen untersagt, daraufhin wurde die Liegenschaft an den Kanton verkauft, der das Gebäude 1912 abreissen liess. Ab 1909 spielte die T. im damals wiederum mit grosser Eigenbeteiligung neu erbauten Theater Casino Zug, ab 1981 im dort neu angebauten Theater.



Autor: Sigi Blarer



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blarer, Sigi: Theater- und Musikgesellschaft Zug, Zug ZG, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1889–1890.