Theater 1230, Bern BE

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Kleintheater, Sprechtheater, Eigenproduktionen des Ensembles, Stückverträge, auch Gastspiele

Das T. wurde 1978 vom Schauspieler und Regisseur →Peter Schneider gegründet und am 29.12.1978 mit →Hanspeter Gschwends "Feldgraue Scheiben" eröffnet. Schneider leitete es bis zu seinem Tod 1989, ab 1979 zusammen mit →Regina Christen und bis 1981 mit →Werner Wüthrich. Dann führte Christen das T. zusammen mit Annemarie Voss, 1993–98 allein weiter. Ziel war es, "kritisches Volkstheater" zu realisieren. Hauseigentümer war Paul Sterchi, welcher den Keller zunächst an Schneider, ab 1988 an die neu gegründete Theater 1230 AG vermietete, diese übernahm das Defizit. Das T. wurde bis einschliesslich 1996 durch Produktionsbeiträge der Stadt unterstützt sowie durch den Kanton Bern, Stiftungen, Organisationen und seit 1983 zusätzlich durch den Verein zur Förderung des Theaters 1230. Am 25.4.1998 musste das T. nach über fünfzig Eigenproduktionen (über dreissig Uraufführungen) mit rund 2500 Vorstellungen, die von fast 200’000 Zuschauerinnen und Zuschauern besucht worden waren, das Kellertheater schliessen, da die Stadt das T. nicht weiter subventionierte. Der Spielplan enthielt vor allem in den ersten zehn Jahren zahlreiche Uraufführungen zeitgenössischer Schweizer Autoren wie Gschwend, Wüthrich, →Mariella Mehr, →Urs Faes und →Aernschd Born. Zudem realisierten sie Ensembleproduktionen wie 1979 "Hoch – Zeit" (Regie: Christen), 1980 folgte die sehr erfolgreiche Inszenierung "Artists oder Die grosse Show des Lebens", weiters unter anderem 1982 "Art – ein Traum", 1984 "Beizengeschichten à la carte", 1991 "Es war einmal …", 1992 "Gekreuzigt auf den Frühling" und 1994 "StimmungsMesser". 1982 inszenierte Schneider →Simon Gfellers "Geld und Geist", 1985 kam die erste eigene Dramatisierung eines Werks von →Jeremias Gotthelf zur Uraufführung: "Der Bauern-Spiegel – erster Teil" (Regie: Scheider), 1987 folgte der zweite Teil. Mit Schneiders Gotthelf-Bearbeitungen trat das Theater 1230 in über 370 Kirchen und Gemeinden in der Schweiz auf. Es wurden auch Stücke unter anderen von Raymond Queneau (1985), Lotte Ingrisch (1988), Thomas Brasch (1990), Hofmannsthal (1992), →Peter Höner/→Barbara Frey (1992), →Max Frisch (1993), →Friedrich Dürrenmatt (1994), Peter Stamm (1995), Helmut Krausser (1997) und Wolfgang Borchert (1998) aufgeführt sowie Gastspiele gezeigt. Seit 1989 finden Freilichtaufführungen im Klosterhof des Alters- und Pflegeheims Frienisberg statt. 1984 und 1991 wurden "Geld und Geist" und Walther Kauers "Vreneli ab em Guggisbärg" vom Schweizer Fernsehen DRS aufgezeichnet. 1980–86 betrieb das T. die halbtags geführte Theaterwerkstatt 1230 mit einer dreijährigen professionellen Ausbildung; zu den Schülerinnen und Schülern gehörten →Piero Bettschen, Lukas Leuenberger, →Daniel Ludwig und →Christoph Marti. Ab 1996 versuchte man, das Publikumsinteresse durch die Publikation der Werbebroschüre "Hämmlett", eine Theaterbar sowie Rahmenprogramme mit Lesungen und Podiumsdiskussionen zu erhöhen. Als Persönlichkeiten im Zusammenhang mit dem T. sind die Schauspielerinnen und Schauspieler Jasmine Jaeggi und Marcus Signer, in den neunziger Jahren Ruth Gundacker, Markus Rub, Jacqueline Walser und →Christoph Sommer sowie die Dramaturgin und Regisseurin Rita Portmann zu nennen. Mit professionellem und engagiertem Volkstheater nahm das T. seit der Gründung einen wichtigen Platz in der Berner Theaterlandschaft ein. Verbandsmitglied: →VTS.

Spielstätte

Kramgasse 4, 3011 Bern. Architekt: Werner Hutterli; Baujahr: 1978 (der Keller stammt aus dem 13. Jahrhundert.). Eröffnungsdatum: 29.12.1978. Theaterraum mit variabler Bühne und umgehender Galerie. Platzkapazität: 72 Plätze. Bühne: 8 m breit, 12 m tief, 6 m hoch. Literatur: Faes, Urs: 10 Jahre Volkstheater, [1989].



Autor: Redaktion



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Redaktion: Theater 1230, Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1897–1898, mit Abbildung auf S. 1898.