Theater 58, Zürich ZH

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Freie Theatergruppe ohne eigene Spielstätte

Das T. wurde 1958 in Luzern als Einzelfirma von →André Revelly (der das Theater seitdem leitet), Eduard Abel und Sylvie Ferrat gegründet. Programm des T. ist ein "glaubwürdiges, kämpferisches, am geistigen Menschen orientiertes Theater abseits von Sensationen und modischen Trends" mit Akzent auf poetischem und psychologischem Theater und der Arbeit im Team. Erste Inszenierung: Stefan Andres’ "Gottes Utopia" (Regie: →Erwin Kohlund) 1958 im "Haus der Herren zu Schützen" in Luzern. Der Versuch, in Luzern einen ständigen Spielbetrieb einzurichten, scheiterte. Das T. musste bald auf Tournee gehen, um zu überleben. 1964 brachte es als erste Schweizer Bühne Saint-Exupérys "Der Kleine Prinz" zur Aufführung und erzielte damit einen grossen Erfolg. 1971 wurde der "Freundeskreis Theater 58" (später "Verein zur Förderung des Theaters 58") gegründet, initiiert von den Pfarrern Rolf Sturzenegger und Ernst Meili. Der Förderverein ermöglichte es, Schauspieler im Ganzjahresvertrag zu engagieren. Im Sommer besuchte das T. damals noch Kurorte. Ab 1976 arbeitete das T. eng mit →Silja Walter zusammen und brachte mehrere ihrer Stücke zur Uraufführung (unter anderem 1976 "Jan der Idiot", 1985 "Der achte Tag", Neuinszenierung 1999). Höhepunkte waren ausserdem Nelly Sachs’ "Eli" (1973/74), Ad de Bonts "Mirad, ein Junge aus Bosnien" (1994) und George Taboris "Mutters Courage" (1997). 1985–94 Sommerinszenierungen im Kreuzgang des Fraumünsters in Zürich (unter anderem 1989 Christopher Frys "Ein Phönix zuviel"). Das T. bringt pro Spielzeit rund zwei Premieren (in den siebziger und achtziger Jahren waren es bis zu sieben), verschiedene Produktionen blieben teils über Jahrzehnte hinweg im Repertoire. Das Ensemble zählt rund sieben Mitglieder (früher waren es bis zu zehn). Dazu kommen Stückverträge, nicht zuletzt für Regie (die Revelly allerdings oft selbst übernimmt), Bühnenbild und auch Choreografie. Die Tourneen umfassen durchschnittlich 150 Aufführungen pro Saison, vor allem für Kulturkommissionen, Kirchgemeinden und Schulen (in Deutschland und Österreich auch für Kulturreferate und Volkshochschulen) sowie in Kleintheatern. Früher wurde das T. vom Kanton Zürich subventioniert. Seit der Spielzeit 1993/94 erhält es nur noch produktionsbezogene Beiträge von den Kantonen Zürich, Bern, Graubünden und Thurgau, von der reformierten und der katholischen Landeskirche der Schweiz und von mehreren privaten Gönnern und Stiftungen. Der Etat belief sich in den Jahren 2000–04 jeweils auf rund 450’000–500’000 Franken. Rund zwei Drittel bis drei Viertel dieses Budgets spielt das T. ein. Proberäume, Werkstatt und Büro des T. befanden sich nach der kurzen Luzerner Zeit in Zürich: 1959–74 im Kirchgemeindehaus Hottingen, 1974–84 im Kirchgemeindehaus Neumünster, danach an der Kanzleistrasse 127.



Autor: Tobias Hoffmann-Allenspach



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Hoffmann-Allenspach, Tobias: Theater 58, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1077–1078.