Theaterfalle Basel, Basel BS

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Freie Gruppe, Sprechtheater, Jugendtheater

Die T. wurde 1986 von der Theaterpädagogin Ruth Widmer gegründet und wird seither von ihr geleitet. Weitere Beteiligte werden produktionsbezogen engagiert. Die Stücke der T. thematisieren aktuelle gesellschaftliche Probleme und Phänomene. Die Produktionen sind (in Anlehnung an das Konzept von Augusto Boal) oft als Forumtheater konzipiert. Bei dieser Theaterform kann das Publikum aktiv auf das Bühnengeschehen Einfluss nehmen, Handlungsverlauf und Konfliktlösungsstrategien werden diskutiert. Die T. zeigt ihre Inszenierungen schweizweit in Kleintheatern, Schulen, Gemeinde- und Jugendzentren sowie seit 2002 in den eigenen Räumen im Gundeldingerfeld in Basel. Pro Jahr erarbeitet die T. rund eine Produktion. Anfangs waren es Stücke für Erwachsene, beispielsweise 1989 →Andrej Tognis "Zwischenwelt" (Regie: Togni), 1993 Michael Weiss’ "Unerhört" (Regie: Weiss). Seit Anfang der neunziger Jahre entstanden vor allem Produktionen für Jugendliche, unter anderem 1991 →Paul Steinmanns "Sackgass", 1992 Urs Franzini/Widmers "Das isch ä so" (Regie beide: Widmer) sowie 1993 Franzini/Widmers "Fremd!? – Nid bi eus!"(Regie: Widmer/Martin Zentner), alle drei als Forumtheater konzipiert, in Zusammenarbeit mit dem Verein "Suchttheater", einem Projekt des Kantons Basel-Landschaft zur Suchtprävention. 1995 folgte Harvey Fiersteins "Leo und ich" (Regie: Michael Luisier), ein Stück zum Thema Aids, 1996 Widmers "… weil ich ein Mädchen bin!"(Regie: Luisier), ein Forumtheater mit dem Schwerpunkt weiblicher Pubertät, das als Auftragsarbeit der Abteilung Koordination Drogenfragen des Justizdepartements Basel-Stadt entstand und vom Schweizer Fernsehen DRS sowie vom Schweizer Radio DRS ausgestrahlt wurde. 1997 folgte Maya Gerber-Hess/Widmers "… Morning Has Broken", das, – als Fortsetzung von "… weil ich ein Mädchen bin"– Lebensentwürfe Dreissigjähriger thematisiert. Weitere Forumtheater waren 1998 Widmers "Hau den Lukas" (Regie: Luisier) zum Thema Gewaltbereitschaft männlicher Jugendlicher, 2000 Lukas Holligers "www.heroes.li – Love in Cyberspace" (Regie: →Christian Mattis), 2002 Néstor Falls/Ralf Schlatters "Crash!"(Regie: Mathis Kramer-Länger), das sich mit Rassismus und Fragen des Respekts befasste und in Zusammenarbeit mit dem Justizdepartement Basel-Stadt, der Justiz-, Polizei- und Militärdirektion sowie dem Lotteriefonds Basel-Landschaft und der Bundeskampagne "Gegen Rassismus und für Menschenrechte" entstand. Ebenfalls 2002 enstand Beat von Wartburgs "Ich bin so frei" (Regie: Kramer-Länger), ein Forumtheater das die Sterbehilfe thematisiert, sich an Erwachsene richtet und im Auftrag der Caritas Schweiz entstanden ist. Daneben inszenierte die T. auf Anfrage diverse kleinere Produktionen und Performances im Bereich Forumtheater und Live-Animation unter anderem für Präventions‑, Aus- und Fortbildungszwecke. Verbandsmitglied: →ASTEJ.

Auszeichnungen

  • 1997 erhielten Widmer und die T. den Kinder- und Jugendmedienpreis "Die Rote Zora" vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann für ihre kontinuierliche Theaterarbeit und insbesondere für die Produktion "… weil ich ein Mädchen bin!".


Autorin: Simone Müller



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Müller, Simone: Theaterfalle Basel, Basel BS, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1855–1856, mit Abbildung auf S. 1856.