Theatergesellschaft Malters, Malters LU

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Amateurtheater, Sprech- und Musiktheater

Eine örtliche Theatertradition ist seit 1737 nachweisbar, die Vereinsgründung der T. erfolgte 1852 zum «Zwecke gegenseitiger Belehrung und Unter­haltung». Die erste Produktion war August von Kotzebues "Englische Ware". 1863–84 fast jährlich Aufführungen unterhaltender und historischer Schauspiele (mit Gesang, manchmal auch mit Tanz­einlagen) und Singspiele von im 19. Jahrhundert das Repertoire deutschsprachiger Bühnen beherrschenden Autoren wie Ernst Raupach, →Charlotte Birch-Pfeiffer und Kotzebue sowie Ignaz Franz Castelli, Carl Töpfer und Carl August Görner. Dass die Aufführungen einer behördlichen Bewilligung bedurften, beweist ein Vorfall von 1878: Trotz kantonalen Zensurverbots wurde Carl Georg Jakob Sailers vaterländisches Drama "Die Nonne von Wyl" aufgeführt. Auch die über lange Zeit im Repertoire der Schweizer Amateurtheater erfolgreichen Stücke wie →Philipp Walburg Kramers "Die Hexe von Gäbistorf" (1882) oder →Thomas Bornhausers "Gemma von Arth" (1893) wurden in Malters gegeben. Ausserdem Schau- und Singspiele in schweizerdeutscher Mundart (1928 →Emil Sautters "s’Mündel"), ab 1950 auch Operetten und Werke von Schweizer Autoren wie →Albert Jakob Weltis "Steibruch" (1956), →Arnold H. Schwengelers "Kleider machen Leute" und →Cäsar von Arx’ "Vogel friss oder stirb". Während der beiden Weltkriege beschränkten sich die Aktivitäten der T. auf gelegentliche Zusammenarbeit mit anderen lokalen Vereinen. Diese Mitwirkung bei Anlässen und bei Bundesfeiern blieb später Tradition. Seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts werden professionelle Regisseure verpflichtet, und es finden sich vermehrt klassische und zeitgenössische Stücke auf dem Spielplan wie 1992 Millers "Hexenjagd", 1995 Molières "Scapino", 2000 Federico Fellinis "Die Nächte der Cabiria". Die Aufführungen fanden bis 1896 im Theatersaal des Gasthauses "Zum Kreuz", ab 1897 im Mettlen-Saal, der mit Heizung und elektrischem Licht ausgerüstet war, statt. Seit 1906 sind die Aufführungen im Saal des Hotels "Bahnhof" (zirka 200 Sitzplätze). Die Gemeinde Malters, der Kanton und Gönner unterstützen die T. Zur Förderung des Nachwuchses wird seit längerer Zeit im Zwei-Jahres-Turnus ein Kindertheater organisiert. Verbandsmitglied: →ZSV.



Autor: Sigi Blarer



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blarer, Sigi: Theatergesellschaft Malters, Malters LU, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1859–1860.