Theatergesellschaft Reiden, Reiden LU

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Amateurtheater, Sprech- und Musiktheater auf Hochdeutsch oder in Dialekt

Die T. wurde im Januar 1865 gegründet, bereits in den Jahren davor bestand in Reiden jedoch eine – wenn auch lose formierte – Theatergesellschaft. Ziel der T. ist es, einen Beitrag zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben in der Gemeinde zu leisten sowie anspruchsvolles Amateurtheater zu zeigen; regelmässige Aufführungen sowie Kurse sollen das spielerische und technische Können der Mitwirkenden (rund fünfzig aktive Mitglieder) fördern. Die T. inszenierte seit ihrer Gründung (mit wenigen Ausnahmen) ein Stück pro Jahr. In den ersten Jahrzehnten standen zahlreiche Volksstücke und vaterländische Schauspiele auf dem Spielplan, unter anderem 1865 →Philipp Walburg Kramers "Die Hexe von Gäbistorf", 1868 →Thomas Bornhausers "Gemma von Arth", 1881 Wilhelm Elmigers "Aus lauter Lieb oder Hund und Katz", 1905 Rudolf Girards "Der Freihof von Aarau", 1916 Andreas Zimmermanns "Älplerchilbi" sowie 1930 →Cäsar von Arx’ "Die Geschichte vom General Johann August Suter". Daneben zeigte die T. Komödien und Lustspiele, etwa 1875 Kotzebues "Die gefährliche Nachbarschaft", 1922 Oskar Blumenthal/Gustav Kadelburgs "Im weissen Rössl", 1940 Kaspar ­Freuler/Heinrich Jenny-Fehrs "E gfreuti Abrächnig" und 1941 Zimmermanns "De Wittlig" sowie zahlreiche Stücke von →Charlotte Birch-Pfeiffer. Ende der vierziger bis Mitte der fünfziger Jahre inszenierte die T. ausschliesslich Operetten und Singspiele, beispielsweise 1949 →Ralph Benatzkys "Im weissen Rössl" (Libretto: →Hans Müller-Einigen) und 1952 Wilhelm Stärks "Barbara fällt vom Himmel". Auch danach wurden zahlreiche musikalische Produktionen gezeigt, etwa 1964 Fred Raymonds "Maske in Blau", 1973 →Paul Burkhard/→Walter Leschs "Die kleine Niederdorf-Oper", 1983 Nestroys "Der Talisman" und 1993 dessen "Der böse Geist Lumpazivagabundus". Seit Mitte der neunziger Jahren gab die T. mehrere Musicals, unter anderem 1997 Bocks "Anatevka" und 2000 Lionel Barts "Oliver Twist" nach Dickens. Da­neben zeigte die T. weiterhin Sprechtheater; seit den siebziger Jahren wurden viele Komödien, seltener Schwänke oder ernste Stücke inszeniert, beispielsweise 1974 Max Schmid/Leo Seidls "Drei Männer im Schnee" nach Kästner, 1976 Agatha Christies "Im Spinnennetz", 1981 →Carl Zuckmayers «Katha­rina Knie», 1984 →Curt Goetz’ "Das Haus in Montevideo" sowie 1999 dessen "Hokuspokus", 1986 Franz und Paul von Schönthans "Der Raub der Sabinerinnen" und 1991 Kishons "Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht". Seit ihrer Gründung bespielt die T. den Saal des Gasthauses "Sonne" (rund 350 Plätze) in Reiden, den sie jeweils mietet. Er wurde mehrmals umgebaut, die letzte grosse bauliche Veränderung wurde 1989 abgeschlossen; während des Umbaus 1987–88 ging die T. mit →Jörg Schneiders "Der gestiefelte Kater" sowie "Frau Holle" in den benachbarten Gemeinden auf Tournee. Die T. finanziert sich durch Eintrittsgelder sowie Mitglieder-, Gönner- und Sponsorenbeiträge. Vereinsmitglied: →ZSV.

Literatur

  • Gedenkblatt zur 25-jährigen Jubiläumsfeier der T. 1865–90, o. J. [1890].
  • T., Gedenkblatt zum 50-jährigen Jubiläum am 1. Januar 1915, o. J. [1915].
  • Elmiger, Wilhelm: 50 Jahre vor und hinter den Culissen der T., 1920.
  • Schüssel, Alfred: Hundert Jahre T., o. J. [1964]. Hundert Jahre T. In: Luzerner Nachrichten, 26./27.12.1964.


Autorin: Josette Gillmann-Mahler



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gillmann-Mahler, Josette: Theatergesellschaft Reiden, Reiden LU, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1860–1861.