Theatergesellschaft Sempach, Sempach LU

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Amateurtheater, Sprech- und Musiktheater in lokalem Dialekt

Die T. wurde am 17.1.1870 gegründet und zeigte als erstes Stück 1871 Schillers "Wilhelm Tell". Anschliessend wurde – mit Unterbrechungen – rund alle ein bis zwei Jahre eine Aufführung realisiert. Neben mehreren historischen Stücken, vor allem in den Anfangsjahren (beispielsweise 1872 "Die Eidgenossen vor Mülhausen", 1883 "Die Schlacht am Stoss", 1885 "Die Schlacht am Morgarten"), wurden Lustspiele und Volkstheaterstücke (oft von Schweizer Autoren wie etwa Ulrich Farner, →Simon Gfeller, →Theodor Wirz, →Karl Grunder) aufgeführt. Dazu kamen vermehrt musikalische Lustspiele, einzelne Operetten und später Musicals. Die musikalischen Produktionen wurden seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts zum wichtigsten Bestandteil des Spielplans. Grossen Erfolg hatte die T. mit Willi Webels/Carl Sibers musikalischem Lustspiel "Der Fiaker von Grinzing" (1962) sowie mit →Paul Burkhard/→Walter Leschs "Die kleine Niederdorf-Oper" (1989). Ein weiterer Höhepunkt war die Mitwirkung beim Festspiel "600 Jahre Schlacht bei Sempach" (1986), zudem wirkte die T. mehrmals bei den jährlich stattfindenden Schlachtfeiern in Sempach mit. Die T. realisierte aber auch kleinere Produktionen, so unter anderem "CHabaret 91" (1991), einen Kabarettabend anlässlich der 700-Jahr-Feier der Schweiz. Seit einigen Jahren produziert die T. ausserdem Stücke mit Jugendlichen, beispielsweise Anouilhs "Antigone" (2000). Die T. arbeitet oft unter professioneller Regie; so inszenierten unter anderen →Paul Schill, Hans Krauer, Arthur Müller, Jochen Speer, →Andrej Togni sowie Herbert Marberger mehrmals für die Gruppe. Die Aufführungen der T. finden in der Festhalle Sempach statt, kleinere Produktionen in Sempach in der "Zehntenscheune" und im vereinseigenen Lokal, dem "Hexenturm", einem Teil der alten Stadtbefestigung, der die T. in den achtziger Jahren ausbaute. Seit 1995 organisiert sie rund alle drei Jahre das "Sempacher Theaterspektakel", zu dem verschiedene Produktionen eingeladen werden. Das Programm enthält unter anderem Strassentheater, Cabaret, Puppenspiel, Clowns und Seniorentheater. Seit 1954 können Frauen Mitglied der T. werden, als Schauspielerinnen standen sie jedoch schon früher auf der Bühne. Die T. hat rund 75 Aktivmitglieder. Sie finanziert sich durch Kartenverkauf, Konsumation, Gönner- und Sponsorenbeiträge. Verbandsmitglied: →ZSV.

Literatur

  • 100 Jahre T., 1970.


Autorin: Josette Gillmann-Mahler



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gillmann-Mahler, Josette: Theatergesellschaft Sempach, Sempach LU, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1862.