Theatergesellschaft Triengen, Triengen LU

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Amateurtheater, vor allem Sprechtheater meist in Dialekt

Schon für das 17. Jahrhundert lassen sich einzelne Theateraufführungen in Triengen belegen. Institutionalisiert wurden diese um 1810 als die Vorgängergruppe der T. entstand. Gemäss überlieferten Quellen erfolgte als erste Aufführung 1811 →Joseph Ignaz Zimmermanns "Wilhelm Tell". Bis 1822 wurden sieben weitere Inszenierungen gegeben, vor allem vaterländische Dramen. Die heutige T. wurde 1851 gegründet. Das erste, im selben Jahr gespielte Drama war →Heinrich Zschokkes "Julius von Sassen". Seither zeigte die T. mit wenigen Unterbrechungen rund eine Inszenierung pro Jahr. Lust- und Trauerspiele, Volkstheaterstücke sowie vaterländische Dramen prägten mit einigen Ausnahmen bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts den Spielplan: Gespielt wurden Stücke von Erfolgsautoren des 19. Jahrhunderts wie Ferdinand Raimund (etwa "Der Verschwender", 1922, 1929, und 1946), →Charlotte Birch-Pfeiffer ("Der Glöckner von Notre-Dame" nach Hugo, 1923 und 1950, "De Wildhüeter vo Gsteig", 1982), Theodor Körner und Roderich Benedix sowie Stücke von Schweizer Autoren wie Christoph von Schmid ("Die Beatushöhle", 1865 und 1893), Andreas Zimmermann ("Der Landsturmlütenant", 1915, "Älplerchilbi", 1916), Arnold Lang ("Der Schweizer in Neapel", 1890 und 1904), →Cäsar von Arx ("Der Verrat von Novara", 1952). Besondere Ereignisse waren die Freilichtaufführungen von W. Bions "Die Schlacht am Stoss" (1870) und "Die Schlacht am Morgarten" (1872) sowie von August Feierabends "Die Schlacht bei Sempach" (1874). Vor allem in den zwanziger und dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts, aber auch später gab die T. zudem – mit teils grossem Erfolg – Klassiker, unter anderem Dramen von Schiller (beispielsweise "Wilhelm Tell", 1925, 1934, 1951 und 1960, "Die Räuber", 1935, "Die Jungfrau von Orleans", 1924 und 1957), Kleist ("Das Käthchen von Heilbronn", 1930) und Shakespeare ("Julius Cäsar", 1926). Auch einige Operetten fanden Eingang in den Spielplan (etwa Léon Jessels "Die Goldene Mühle", 1947, →Alexander Krannhals/→Willy Volker/→Kurd E. Heynes "Ferien im Tessin", 1949). Seit den neunziger Jahren wurden zahlreiche Komödien aufgeführt, so unter anderem Edmund Morris’ "Die hölzerne Schüssel" (1994), von Arx’ "Vogel friss oder stirb" (1995), →Ernst Balzlis "Der Schärer-Micheli" (1998), Jack Popplewells "Katharina die Kühne" (2000) sowie zum 150-jährigen Jubiläum der T. erneut eine Freilichtaufführung, →Carl Zuckmayers "Katharina Knie" (2001). Der Orchesterverein Triengen, der Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurde, begleitete zahlreiche Aufführungen der T. Um gezielt Nachwuchs zu fördern, gründete die T. 1999 ein Jugendtheater, das 2001 Fränzi Klingelhöfers "Syntax error" gab. Als Bühne diente der T. bis 1868 die Scheune des Gasthauses "Kreuz". In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde ein Theatersaal in einem neuen Anbau des Restaurants realisiert, der seither mehrere Male umgebaut wurde. Anfang der neunziger Jahre verkaufte Werner Ottinger, Wirt und Eigentümer des Gasthauses "Kreuz", den Saal der Gemeinde Triengen. Seit einer erneuten Renovation 1999 dient er, nun unter dem Namen "Forum", als Gemeinde-, Versammlungs-, Theater- und Konzertsaal (rund 250 Plätze). Die T. hat heute zirka vierzig Mitglieder. Finanziell unterstützt wird sie durch Beiträge diverser Sponsoren und Gönner. Verbandsmitglied: →ZSV.

Literatur

  • Steiger, Jacob: Chronik der T. 1851–1921, 1923.
  • Gassmann, Urban: 150 Jahre T., [unveröffentlicht].


Autorin: Josette Gillmann-Mahler



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gillmann-Mahler, Josette: Theatergesellschaft Triengen, Triengen LU, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1863–1864.