Thomas Bornhauser

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* 26.1. (Selbstangabe), 19.5. (Kirchenbuch) oder 26.5. (Gemeinderegister) 1799 Weinfelden TG, † 9.3.1856 Müllheim TG.

1817–21 Theologie­studium am Carolinum in Zürich, Examen 1821 im Thurgau. B. wirkte – nach vorübergehender Lehrtätigkeit in Weinfelden – als Pfarrer 1824–31 in Matzingen, 1831–51 in Arbon und 1851–56 in Müllheim, wo er unter anderem seinen späteren Biografen →Jakob Christinger unterrichtete. Bedeutung erlangte B. durch sein politisches, von den Ideen der Aufklärung beeinflusstes Engagement. Als Publizist und Volksredner arbeitete er auf eine demokratische Veränderung im Thurgau hin. Sein Aufruf zur Volksversammlung am 22.10.1830 in Weinfelden wies ihn als Führer der thurgauischen Regenerationsbewegung aus und setzte ein Signal für den liberalen Umschwung in mehreren Kantonen. 1830 wurde er Präsident der Verfassungsrevisionsbehörde und als Ehrenmitglied in den Grossen Rat aufgenommen. 1831 war er als Mitglied der Verfassungskommission massgebend an der Revision der thurgauischen Verfassung beteiligt, 1833–37 im Grossen Rat, 1849 Präsident des Verfassungsrats. In seinen von Sturm und Drang inspirierten literarischen Texten illustrierte B. mehrfach den Sieg der Freiheitsidee anhand von Episoden der älteren Schweizer Geschichte. 1820–23 entstand das Trauerspiel "Johannes Waldmann" (unveröffentlicht), das möglicherweise die Vorlage zum 1838 anonym erschienenen Schauspiel "Hans Waldmann. Ritter und Bürgermeister in Zürich" bildete. Der Zürcher Bürgermeister Waldmann wird darin zum Märtyrer seiner aufklärerischen Gesinnung stilisiert. 1827–28 verfasste B. das Trauerspiel "Gemma von Arth", in dem er in Anlehnung an Schillers "Wilhelm Tell" den Freiheitskampf der Hirten gegen die Vögte schildert. Das Stück, das in B.s Fassung eher einem Lesedrama enstpricht, wurde von Franz August Stocker 1863 für das Volkstheater bearbeitet und in dieser Version von ländlichen Volkstheatern häufig gespielt. B.s Roman "Herzog Johann oder Königsmord und Blutrache" (1844) wurde von →Philipp Walburg Kramer dramatisiert und fand als "Die Hexe von Gäbistorf" (1863) einen festen Platz im Volkstheaterrepertoire. Zu B.s Veröffentlichungen zählen ferner Lieder, epische Gedichte und zahlreiche Aufsätze.

Literatur

  • Christinger, Jacob: T. B., 1875 [1898 zweite, umgearbeitete Auflage].
  • Frei, Otto: Die geistige Welt T. B.s. Dissertation Zürich, 1949 [mit Bibliografie].

Nachlass

  • Bürgerarchiv Weinfelden.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Thomas Bornhauser, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 245.

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