Thomas Platter (1499–1582)

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* 10.2.1499 (Selbstangabe; richtig eher 1503–04) Grächen VS, † 26.1.1582 Basel.

P. wuchs als Verdingkind im Wallis auf, schloss sich 1513 fahrenden Scholaren an und bereiste so ganz Deutschland. Nach der Rückkehr begann er 1523 in Zürich Latein, Griechisch und Hebräisch zu studieren, bald auch zu lehren und erlernte im Sinne Zwinglis ein Handwerk. Als humanistisch gebildeter, reformierter Seiler suchte er zwischen Zürich, Basel und dem Wallis seine Existenz aufzubauen, was ihm als Drucker (1535–43), Lehrer und Rektor der Lateinschule "auf der Burg" (1544–78) in Basel auch gelang. P. schrieb eine kulturhistorisch bedeutsame Autobiografie, die er kurz vor dem Tod der ersten Frau unterbrach (1572) und nach der zweiten Eheschliessung bis zur Geburt seines letzten (insgesamt zehnten) Kindes (1580) fortführte. Darin erwähnte er keinerlei eigene Theateraktivitäten. Von den vier Kindern aus erster Ehe überlebte nur Felix P. (1536–1614), der in Basel zum Medizinprofessor und Stadtarzt avancierte und neben medizinischen Publikationen ebenfalls eine Lebensbeschreibung verfasste. Darin finden sich unter theaterhistorisch interessanten Kindheits- und Jugenderinnerungen (Aufführungsbedingungen, Sozialfunktion, personelle Besetzung der Stücke) auch solche an die Regietätigkeit des Vaters, der als Lateinlehrer das humanistische Schuldrama pflegte und seinen Sohn dabei mit einbezog. Felix P. spielte in der 1544 in Basel gedruckten und wohl gleichzeitig vom Vater aufgeführten Tragikomödie "Hypocrisis" von Guilielmus Gnapheus eine "Grazia", in den viel zu langen Kleidern eines ihm bekannten Mädchens, die er und der einsetzende Regen "seer verwiestet[en]". Felix P. verdanken wir den Hinweis auf "ein teutschs spil" namens "der Wirt zum thieren [dürren] Ast", in dem er die Hauptrolle spielen sollte. Die geplante Aufführung des (nicht erhaltenen) Stücks fiel wegen der Pest aus. Der Vater berichtete dann an den in Montpellier studierenden Felix (Brief vom 14.11.1553), dass er die "comœdiam" mit Erfolg vor städtischen Autoritäten inszeniert habe. Felix’ aus zweiter Ehe stammender Halbbruder Thomas P. (1574–1628) schrieb eine tagebuchartige Beschreibung seiner Studienaufenthalte und Bildungsreisen durch Frankreich, Spanien, England und die Niederlande (1595–1600). Um sein Interesse an den soziokulturellen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen zu dokumentieren, zeichnete er für den älteren Bruder und Mentor auch Beobachtungen zu italienischen Komödiantentruppen, zu französischen und englischen Schaustellern und Schaubühnen (darunter das Globe-Theater Shakespeares, in dem P. "die tragedy vom ersten keyser Julio Cesare […] gar artlich agieren" sah) sowie zum jesuitischen Schultheater auf.

Literatur

  • T. P.s Briefe an seinen Sohn Felix, herausgegeben von Achilles Burckhardt, 1890.
  • Lötscher, Valentin: Felix P. und seine Familie, 1975.
  • P., Felix: Tagebuch (Lebensbeschreibung), 1536–1567, herausgegeben von Valentin Lötscher, 1976.
  • P., T.: Lebensbeschreibung, herausgegeben von Alfred Hartmann, 1999.


Autorin: Hildegard Elisabeth Keller



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Keller, Hildegard Elisabeth: Thomas Platter (1499–1582), in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1415–1416.