Turbine Theater, Langnau am Albis ZH

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Kleintheater, Gastspielbetrieb für alle Sparten und Eigenproduktionen im Sprechtheater, mit Amateuren und professionellen Schauspielern im Stückvertrag

Die Initiative zur Gründung des T. ging vom Schauspieler →Peter Niklaus Steiner aus, der den Turbinenraum der im Familienbesitz befindlichen, 1985 stillgelegten Spinnerei Langnau, als Theater­raum und kulturelle Begegnungsstätte nutzbar machen wollte. Zum Betrieb des Theaters gründeten Steiner und Verena Engeli im Sommer 1989 einen Trägerverein, der seither von Engeli präsidiert wird. Der Theaterraum wird dem Trägerverein von der Eigentümerin, der Spinnerei Langnau AG, gratis zur Verfügung gestellt. Nach Umbauarbeiten wurde das T. am 16./17.6.1990 mit einem Fest und diversen Produktionen eröffnet. Der Theater­betrieb wird vom Vorstand des Trägervereins geführt; Gastspielbetrieb und Eigenproduktionen unterstehen gesonderten Organisationsbereichen. Massgeblich geprägt wurde das T. durch Steiner, der seit dessen Gründung als Vorstandsmitglied für die künstlerische Leitung und die Eigenproduktionen verantwortlich zeichnet. Das T. wird durch jährliche Subventionen der Gemeinde Langnau, Beiträge von Stiftungen, Sponsoren und Vereinsmitgliedern sowie­ Einnahmen aus der Vermietung der Räumlichkeiten finanziert. Im September wird die Spielzeit jeweils mit einer Eigenproduktion eröffnet, welche inhaltlich und/oder personell einen Bezug zur Region aufweist. Einen Grosserfolg erzielte 1997 die Uraufführung von →Hannes Glarners "Anna Däniker – Witwe und Häx" zur 600-Jahr-Feier Langnaus. Glarner inszenierte für das T. ausserdem 1995 →Thomas Hürlimanns Bearbeitung von →Meinrad Inglins "Chlaus Lymbacher" sowie 1999 die deutschsprachige Erstaufführung von Italo Svevos "Der Diener" und "Gemischtes Terzett". Grosse Beachtung fand 1992 Tinu Niederhausers Inszenierung von Hürlimanns "Dr Franzos im Ybrig". Niederhauser inszenierte 1993 Karl Schönherrs "Der Weibsteufel". Zur Jahrtausendfeier und aus Anlass der Schaffung eines Naturschutzgebiets im lokalen Sihlwald inszenierte Steiner 2000 Shakes­peares "Ein Sommernachtstraum oder E traumhafti Summernacht im Sihlwald". Er spielte zudem 1994 in einer nach Langnau versetzten Dialektfassung von Mastrosimones "Tagträumer" (Regie: Franz Kasperski) und inszenierte 1996 die Uraufführung seines Stücks "Nana verbannt in Eis" sowie 2002 "Dracula im Langenberg" nach Bram Stokers Roman­ in der Theaterfassung von →Reinhard Palm (in der alten Bärenanlage im Tierpark Langenberg). Künstlerisches Ziel des T. ist die kulturelle Belebung der Region. Die Eigenproduktionen haben das T. auch über die Grenzen des Sihltals hinaus bekannt gemacht. Von November bis Juni werden monatlich mehrere Gastspiele aus der freien Kleintheaterszene (alle Sparten) veranstaltet. Das T. wird auch an Gruppen und für verschiedenste Veranstaltungen vermietet.

Spielstätte

Spinnereistrasse 19, 8135 Langnau am Albis. Umbau zum Theaterraum 1989–90 durch die Architektin Maia Engeli. Der ganze Raum kann bespielt werden, ein mobiles Podest wird als Bühne oder Zuschauertribüne verwendet. Platzkapazität: rund 100 Plätze. Theaterraum: 6–8 m breit, 3,20–5 m hoch, 21 m tief.



Autorin: Sylvia Zysset



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Zysset, Sylvia: Turbine Theater, Langnau am Albis ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1978.