Ueli Schweizer

Aus Theaterlexikon
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* 23.6.1943 Zürich, eigentlich Ulrich S. Sohn des Schauspielers →Armin S., Neffe des Drehbuchautors und Verwaltungsratsmitglieds der Neuen Schauspiel AG →Richard S.

Nach der Handelsschule absolvierte S. 1962–65 die Ausbildung am →Bühnenstudio Zürich. Bereits als Schauspielschüler trat er am →Schauspielhaus Zürich auf, etwa 1964 als Bob in →Curt Goetz’ "Der Lügner und die Nonne" (Regie: →Gert Westphal). Die ersten festen Engagements führten S. 1965/66 ans Theater für Vorarlberg Bregenz und 1966/67 ans Tourneetheater Die →Schauspieltruppe Zürich (Jack Hunter in Williams’ "Die tätowierte Rose", Regie: →Robert Freitag). 1967–70 war S. am Schauspielhaus Zürich engagiert, wo er unter anderem 1968 Thomas in der Uraufführung von →Max Frischs "Biografie. Ein Spiel" (Regie: →Leopold Lindtberg), den zweiten Schauspieler in Pirandellos "Sechs Personen suchen einen Autor" und 1969 Soldat Griss in Edward Bonds "Early Morning" (Regie: →Peter Stein) spielte. 1971–74 gehörte er zum Ensemble des →Theaters am Neumarkt in Zürich unter der Direktion von →Horst Zankl. Dort verkörperte er beispielsweise 1973 den Fremden in →Robert Walsers "Dornröschen" und Theodor in Horváths "Die Unbekannte aus der Seine" (Regie: Zankl). 1974–76 war S. als freischaffender Schauspieler tätig (unter anderem 1975 Bote in Sophokles’ "Oedipus" am →Theater an der Winkelwiese in Zürich). Seit 1976 ist er unter den Intendanzen von Manfred Beilharz, →Ulrich Brecht, Friedrich Schirmer, →Hans J. Ammann und Amélie Niermeyer Ensemblemitglied an den Städtischen Bühnen in Freiburg im Breisgau. Dort verkörperte er zahlreiche Figuren eines breiten Rollenspektrums, darunter einfache, grossherzige und bodenständige Naturen, mitunter auch etwas verschrobene, weltfremde oder schwer zugängliche Charaktere, Charmeure oder komische Käuze sowie zwielichtige, verschlagene Gestalten und resignierte oder gescheiterte Existenzen: etwa 1977 Rittmeister in Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" (Regie: →Valentin Jeker), 1979 Veit Tümpel in Kleists "Der zerbrochne Krug" (Regie: →Helmut Palitsch; erneut 2003 in der Regie von Thomas Krupa), Handwerker Schlucker in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum", 1980 Rodrigo Quast und Privatdozent Hilti in →Frank Wedekinds "Lulu" (Regie beide: →Dieter Bitterli), Hakenfinger-Jakob in →Bertolt Brecht/Weills "Die Dreigroschenoper" (Regie: Beilharz), 1983 Psychologe in Gert Heidenreichs "Strafmündig", 1985 Narr in Shakespeares "Was ihr wollt" (Regie: Thomas Reichert), 1986 Bubnow in Gorkis "Nachtasyl" (Regie: Lore Stefanek), Andreas Horger in Thomas Strittmatters "Viehjud Levi" (Regie: Kai Braak, eingeladen zum Berliner Theatertreffen 1987, zu einem Gastspiel in Moskau und zu den Wiener Festwochen), 1988 Korbflechter Rot in Strittmatters "Der Polenweiher" (Regie: Braak), 1989 Himmlischst in Taboris "Mein Kampf" (Regie: Walter D. Asmus), 1996 Sir Toby Rülps in Shakespeares "Was ihr wollt" (Regie: Eva Diamantstein), 1998 Scott in Jean Genets "Splendid’s" (Regie: Jeker), 1999 in Heiner Müllers "Hamletmaschine", Galy Gay in Brechts "Mann ist Mann", 2001 Er in Jelineks "er nicht als er" (Regie: Ammann), 2003 Gieshübler in "Effi Briest" nach Fontanes gleichnamigem Roman (Bearbeitung: Niermeyer/Thomas Potzger, Regie: Niermeyer), Martius in Heiner Müllers "Anatomie Titus Fall of Rome" (Regie: Martin Kloepfer), 2004 Obrist von G… in "Die Marquise von O…"nach Kleists Novelle (Bearbeitung und Regie: Sybille Fabian) und Willie in Becketts "Glückliche Tage". S. spielte auch in Fernseh- und Kinofilmen, beispielsweise 1965 neben →Maria Becker in "Gift" (Regie: →Kurt Früh) und 1999 den Apotheker in der Verfilmung von Strittmatters "Viehjud Levi" (Regie: Didi Danquart).



Autorin: Christine Wyss



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Wyss, Christine: Ueli Schweizer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1655.

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