Ulrich Becher

Aus Theaterlexikon
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* 2.1.1910 Berlin (D), † 15.4.1990 Basel. ∞ 1934 Dana Rosenfeld (Tochter des österreichischen Schriftstellers Alexander Roda Roda), Vater des Schriftstellers →Martin Roda Becher.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Berlin und Wickersdorf studierte B. ab 1928 Jura in Genf und Berlin, war Grafikschüler von George Grosz und gehörte dem Kreis um Wieland Herzfelde und Erwin Piscator an. Die von Piscator geplante Uraufführung von B.s Christusdrama "Niemand" wurde 1931 verboten (Uraufführung am 27.1.1936 am →Stadttheater Bern, Bern BE). Die Erzählsammlung "Männer machen Fehler" (1932) wurde von den Nationalsozialisten 1933 verboten und verbrannt. 1933 emigrierte B. nach Wien, 1938 in die Schweiz, 1941 floh er über Frankreich, Spanien und Portugal nach Brasilien. B. lebte auf einer Urwaldfarm und in Rio de Janeiro, wo er für Tageszeitungen und für die deutsche Emigranten-Presse Artikel schrieb. 1944 erhielt er ein Visum für die USA und übersiedelte nach New York. 1948 kehrte er nach Wien zurück, 1954 liess er sich in Basel nieder. Nach dem Ende des Kriegs ist B. vornehmlich als Dramatiker hervorgetreten. Flucht, Verfolgung, Krieg und politischer Kampf kennzeichnen seine Dramen. Die Stoffe seiner Stücke, die grösstenteils höchst selten gespielt werden, beziehen sich auf den europäischen Faschismus. Am bekanntesten ist "Der Bockerer" (Uraufführung 4.10.1948 am Neuen Theater in der Scala Wien, Regie: Günther Haenel), das B. gemeinsam mit dem Schauspieler Peter Preses 1944 in New York verfasste. Das Stück behandelt mit Selbstironie, trockenem Humor und genauer Menschenkenntnis den Nationalsozialismus in Österreich. Nach der Uraufführung kaum mehr gespielt, wurde es 1978 von Jürgen Bosse für das Nationaltheater Mannheim wiederentdeckt, in der Folge an zahlreichen Bühnen inszeniert und 1981 durch Franz Antel verfilmt; die Schweizer Erstaufführung fand 1988 am →Schauspielhaus Zürich, Zürich ZH statt. B.s Drama "Samba" (Uraufführung 5.3.1951 am Theater in der Josefstadt Wien) thematisiert das Schicksal europäischer Weltkriegsemigranten. Weitere Stücke: "Mademoiselle Löwenzorn" (Uraufführung 1954 am Schloßpark-Theater Steglitz Berlin), "Feuerwasser. Deutschamerikanische Chronik" (Uraufführung 29.11.1952 am Deutschen Theater Göttingen), "Der Herr kommt aus Bahia" (Uraufführung 5.7.1958 am Deutschen Theater Göttingen, Regie →Heinz Hilpert), "Biene gib mir Honig" (Uraufführung 27.2.1974 am →Atelier-Theater, Bern BE, Regie: →Emil Stöhr). Als B.s erzählerisches Hauptwerk gilt der Roman "Murmeljagd" (1969). Auszeichnungen: 1955 Dramatikerpreis des Deutschen Bühnenvereins, 1976 Preis der Schweizerischen Schiller-Stiftung, 1980 Österreichisches Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für Literatur und Wissenschaft.

Literatur

  • McClure Zeller, Nancy Anne: U. B., 1983.

Nachlass

  • Deutsches Exilarchiv der Deutschen Bibliothek, Frankfurt am Main, Schweizerisches Literaturarchiv, Bern.


Autorin: Brigitte Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Marschall, Brigitte: Ulrich Becher, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 139.

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