Urs Dietrich

Aus Theaterlexikon
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* 8.10.1958 Visp VS.

Nach einer Ausbildung in Textildruck und Kostümdesign erster Tanzunterricht bei Romy Raas in St. Gallen im Alter von 22 Jahren. 1981–85 Tanzausbildung an der Folkwang Hochschule in Essen. 1984 erste Solochoreografie "Hiob". 1986 Stipendium des Nordrhein-Westfälischen Kultusministeriums für New York, dort unter anderem Studium der Limón-Technik. D. tanzte 1986/87 am Folkwang Tanzstudio und erhielt 1987 eine Graduiertenförderung der Folkwang Hochschule. Bereits 1982 lernte er dort die Choreografin und bekannte Protagonistin des Tanztheaters Su­sanne Linke kennen, mit der ihn bis heute eine enge künstlerische und private Partnerschaft verbindet. 1988 entstand seine erste Gruppenchoreografie "Das kalte Gloria" für das Folkwang Tanzstudio. Seither arbeitet er kontinuierlich als freischaffender (Solo-)Tänzer und Choreograf. Seine Gruppenwerke für das Folkwang Tanzstudio wie "Sanguis" (Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen, 1991), "Onno" (1992) oder "Einmal Elysium – einfach" (1994) und seine Solochoreografien "Da war plötzlich … Herzkammern" (1995) oder "An der Grenze des Tages" (1998) zeichnen sich durch enorme Intensität und Konzentration aus. Mit grosser Sensibilität kreiert D. Choreografien, in denen er Fragen zu menschlichen Themen nachgeht und innere Befindlichkeiten auslotet. Mit Linke zusammen entstand 1988 "Affekte", eine Hommage an Dore Hoyers Arbeiten, 1990 folgte "Effekte". 1991 tanzte D. in Linkes reinem Männerstück "Ruhr-Ort". Ausgedehnte Tourneen weltweit mit Linke und solo, unter anderem im Auftrag des Goethe-Instituts (beispielsweise Auftritte an den →Berner Tanztagen 1990 mit "Effekte" und "Affekte" sowie 1998 mit "An der Grenze des Tages", das er auch in Zürich zeigte). 1994–96 leitete er zusammen mit Linke das Bremer Tanztheater (an den Bremer Theatern), 1996–2000 war er dort als Choreograf tätig und mit der Spielzeit 2000/01 wurde er dessen alleiniger Leiter. Für das Bremer Tanztheater-Ensemble schuf D. "Die Langsamkeit des Augenblicks" (1996), "Do Re Mi Fa So Latitod" (1997), "Moment mal!"(1998), "P(elleas) und M(elisande)" und "Sturmgeflüster" (1999), "Versus", "Ein.Dutz.End" (2000), "Every.Body" (für die Expo 2000 in Hannover), "Passionen. Passagen" und "Appetit" (2001), "Ort.Los" (2002) und "Persona" (2003). Daneben weiterhin Solostücke und Tourneen. Der Film "Bewegte Spuren. Das Bremer Tanztheater" gibt Einblick in D.s Arbeit in Bremen (Regie: Marcus Behrens, Produktion Radio Bremen, 2001).

Auszeichnungen

  • 1985 Kurt-Jooss-Preis der Stadt Essen,
  • 1990 Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen,
  • 1991 Preis am Meeting Neuer Tanz NRW für "Sanguis".


Autorin: Claudia Rosiny



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Claudia Rosiny: Urs Dietrich, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 467.

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