Ursula Bergen

Aus Theaterlexikon
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* 15.1.1921 Berlin (D), eigentlich Ursula Berg.

Schauspielausbildung bei Paul Günther in Berlin. 1942–44 erstes festes Engagement am Stadttheater Saaz. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte B. zwei Jahre beim Neuen Berliner Künstlertheater. Danach trat sie an diversen deutschen Theatern auf, unter anderem am Nationaltheater Weimar, am Künstlertheater Bad Godesberg, 1949/50 am Lortzing-Theater Osnabrück, am Ateliertheater Hannover, 1955–57 am Landestheater Eisenach, 1957–59 am Pfalztheater Kaiserslautern und 1959–61 am Stadttheater Konstanz. 1961 engagierte sie →Karl Ferber an das →Stadttheater St. Gallen. Dort war sie bis 1986 in über hundert Rollen zu sehen, zunächst in den Fächern der jugendlichen Liebhaberin und Heldin sowie der jungen Salondame, später im Charakterfach. Unter anderem spielte sie 1961 Elmire in Molières "Tartuffe", 1963 die Señora in →Max Frischs "Andorra", Christine in O’Neills "Trauer muss Elektra tragen" (Regie jeweils: →Siegfried Meisner) und Lady Milford in Schillers "Kabale und Liebe", 1964 Frau Wolff in Hauptmanns "Der Biberpelz" (Regie beide: Ferber), 1965 Martha in Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?"(Regie: →Bernhard Enz), 1966 die Titelrolle in Grillparzers "Medea" (Regie: Ferber), 1971 Helene Alving in Ibsens "Gespenster" und Mary Cavan Tyrone in O’Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht", 1972 Klytämnestra in Sartres "Die Fliegen", 1973 Mrs. Baker in der Schweizer Erstaufführung von Gershes "Schmetterlinge sind frei" und Trude in Martin Walsers "Die Zimmerschlacht" (Regie: →Hanspeter Blumer), 1976 die Titelrolle in García Lorcas "Bernarda Albas Haus" (Regie: →Maria Becker), 1977 Gräfin Capulet in Shakespeares "Romeo und Julia" (Regie: →Wolfgang Zörner), 1978 Frau von Stein in Hacks’ "Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe", 1980 die Titelrolle in →Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame", 1982 Marthe in Goethes "Urfaust", 1983 Mathilde von Zahnd in Dürrenmatts "Die Physiker", 1984 Abby Brewster in Kesselrings "Arsen und Spitzenhäubchen" (Regie: →Karl Absenger), 1985 Linda in Millers "Der Tod des Handlungsreisenden" und Margret in →Heinrich Henkels "Altrosa" sowie 1986 Anne in der Schweizer Erstaufführung von Bernhards "Über allen Gipfeln ist Ruh" (Regie: Absenger). Auch nach ihrer Pensionierung im Sommer 1986 trat B. regelmässig als Gast am Stadttheater St. Gallen auf, beispielsweise 1986 als Dr. Lydia Kowalenko in der Schweizer Erstaufführung von →Rolf Hochhuths "Ärztinnen" und 1989 in der Titelrolle von Gorkis "Wassa Schelesnowa". Zudem gastierte sie 1988 am Theater der Stadt Koblenz in der Titelrolle von Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame". Seit den sechziger Jahren war B. häufig in von ihr selbst konzipierten Lesungen zu sehen, etwa mit Texten von Wilhelm Busch, Rilke, Albert Schweitzer, Hesse, Tucholsky, Kästner, →Bertolt Brecht, Ingeborg Bachmann, →Gottfried Keller (zu dessen 100. Todestag), →Carl Zuckmayer, Borchert, Poe, Schiller und Heine. Neben ihrer Schauspieltätigkeit inszenierte sie 1980 mit der Amateurtheatergruppe Bühne 70 Wil "Max und Moritz" nach Busch und 1983 am Stadttheater St. Gallen "Emil und die Detektive" nach Kästner mit über hundert Kindern. Zudem leitete B. 1966–99 Kurse in Sprecherziehung und Rezitation an der Klubschule Migros sowie Lehrerfortbildungskurse, 1976–90 war sie Dozentin an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen.

Auszeichnungen

  • 1977 und 1997 Anerkennungspreis der Stadt St. Gallen,
  • 1997 Deutsches Bundesverdienstkreuz am Bande.


Autorin: Beate Schappach



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Schappach, Beate: Ursula Bergen, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 162.