Václav Eliáš

Aus Theaterlexikon
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* 26.11.1933 Brünn (Brno, heute: CZ), auch Vaclav Elias.

1953–57 Szenografiestudium an der Hochschule für Theater und Musik (DAMU) in Prag unter František Tröster. 1958–69 Ausstatter an den Theatern in Uherské Hradiste und Jihlava (beide heute in Tschechien). 1969 emigrierte E. in die Bundesrepublik Deutschland, wo er zunächst als Autodesigner tätig war. 1971/72 war er am Stadttheater Bielefeld als Gastbühnenbildner engagiert, 1972–87 als Ausstattungsleiter am →Stadttheater Luzern unter den Direktoren →Ulrich Meyer-Schoellkopf und →Philippe de Bros, wo er anschliessend unter →Horst Statkus bis 1999 weiterhin als Bühnenbildner tätig war. E. arbeitete wiederholt mit den Regisseuren →Peter H. Stöhr, →Karel Nemec, Richard Bletschacher und Jean-Paul Anderhub zusammen und bis 1982 fast ausschliesslich mit der Kostümbildnerin Bie Giok Tan. Seine insgesamt rund 130 Ausstattungen für alle drei Sparten (Schauspiel, Musiktheater und Ballett) am Stadttheater Luzern/Luzerner Theater waren den Prinzipien der Stilbühne verpflichtet. Er setzte auf eine einfache, stark bildhafte Raumgestaltung und arbeitete oft mit plastischen Elementen und der vereinheitlichenden Wirkung von Farbe und Material. Wichtige Bühnenbilder entstanden insbesondere für das Musiktheater (beispielsweise 1973 Verdis "Il Trovatore", 1974 Mozarts "Don Giovanni", 1975 Bellinis "Romeo und Julia", 1977 Mozarts "Die Hochzeit des Figaro", 1979 Schostakowitschs "Die Nase" und Donizettis "Maria Stuart", 1980 Smetanas "Die verkaufte Braut", 1985 Brittens "Albert Herring"). Daneben stattete E. 1976 Tschechows "Der Kirschgarten" für Die →Schauspieltruppe Zürich aus und 1987 Tschaikowskys "Der Nussknacker" am →Stadttheater Bern, Bern BE (in der Choreografie von →Riccardo Duse, mit dem er bereits in Luzern zusammengearbeitet hatte). 1982 gründete E. zusammen mit seiner Ehefrau Marta E., das "Puppentheater vom Stadttheater Luzern"/→Puppentheater Luzern am Luzerner Theater, das er bis 2000 leitete sowie als Regisseur prägte. Marta E. gestaltete die Figuren. Im April 1983 fand die erste Premiere statt: Jan Malíks "Bälleli Chugeli". Ausserdem übernahm E. im April 1978 die dramaturgische und bildnerische Gestaltung des Festakts "800 Jahre Stadt Luzern" mit mehreren hundert Darstellerinnen und Darstellern, zeichnete 1994 für Konzept und Regie der spektakulären Eröffnungsfeier der nach dem Brand rekonstruierten Kapellbrücke in Luzern verantwortlich und war an der Totalrenovierung des Bourbaki-Panoramas in Luzern beteiligt (Ausführung der plastischen Teile). E. präsentierte ausserdem seine Bühnenbildentwürfe in Ausstellungen, beispielsweise 1987 an einer Jubiläumsausstellung im Foyer des Stadttheaters Luzern.



Autor: Gustav Gysin



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gysin, Gustav: Václav Eliáš, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 530.