Vaudeville Theater, Zürich ZH

Aus Theaterlexikon
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Freie Theatergruppe, bestehend aus einer Kerngruppe und Gästen, ohne eigene Spielstätte.

Das V. wurde im Herbst 1989 von Ensemblemitgliedern des →Theaters am Neumarkt Zürich (unter der Direktion von →Peter Schweiger) gegründet; Träger ist der Verein V. Die Kerngruppe, die zugleich das Leitungsteam des V. bildet, besteht aus den Gründungsmitgliedern →Liliana Heimberg (bis 1999, Produktionsleitung, Dramaturgie, Schauspielerin), →René Ander-Huber (Schauspieler, Ausstattung), Susanne Trost (Öffentlichkeitsarbeit, Regieassistenz) und →Helmut Vogel (Schauspieler) sowie Marie-Thérèse Mäder (seit 1999, Produktionsleitung, Schauspielerin). Zu den Gästen, mit denen das V. kontinuierlich zusammenarbeitet, gehören unter anderem die Schauspielerin →Graziella Rossi und der Schauspieler →Klaus Henner Russius sowie die Regisseure Schweiger und Stefan Viering. Die Beteiligten werden nur für die jeweilige Inszenierung engagiert. Das V. finanziert sich durch produktionsbezogene Beiträge der Stadt Zürich, diverser Sponsoren und Stiftungen. Ziel des V. ist – wie der Name besagt – die Umsetzung zeitbezogener, anspruchsvoller Themen in eine komödiantische Form mit Musik. Oft werden Produktionen in Zusammenarbeit mit Autoren (etwa →Urs Widmer, →Linard Bardill, →Patrick Frey, →Paul Steinmann) und Komponisten (etwa →Daniel Fueter) erarbeitet. In rund zehn Jahren entstanden über dreissig grössere und kleinere Produktionen (zum Teil als Auftragswerke), welche an verschiedenen Spielstätten in Zürich (oft im →Theater am Hechtplatz, Miller’s Studio und →Theaterhaus Gessnerallee) und als Gastspiele an anderen Orten in der Schweiz gezeigt wurden: unter anderem 1989 →Jürg Federspiels "Typhoid Mary" in der szenischen Bearbeitung von Bardill, 1990 "Die Marx Brothers Radio Show" (Bearbeitung und Regie: Viering, Fernsehaufzeichnung), 1991 die Uraufführung von Widmers "Frölicher – ein Fest" (Regie: Viering, Fernsehaufzeichnung), 1992 "Emil und Sophie. Ein Operettchen nicht ganz frei nach Jean-Jacques Rousseau" (Bearbeitung: Heimberg, Regie: Schweiger) und Augusto Boals "Aus unserem Amerika" (Regie: Michael Klette), 1993 →Katja Früh/Freys "Trommeln über Mittag" (Regie: Früh, Fernsehaufzeichnung), 1994 "Liebäugeln" nach Texten von →Niklaus Meienberg (Regie: Bernhard Karl), 1996 →Markus Kägis "Ach & Och" (Regie: Klette) sowie die Uraufführung von Steinmanns "Polenliebchen" (Regie: Wolfram Kremer), 1997 →Hannes Glarners "Wer nicht stirbt, eh er stirbt, der verdirbt, wenn er stirbt" (Regie: Rüdiger Burbach), 1998 "Die Verborgenen 1948", sechs Frauenporträts in drei Landessprachen zum Jubiläum "150 Jahre Bundesstaat" (im Rahmen der "Jeux républicains") sowie die Schweizer Erstaufführung von →Bertolt Brecht/Hanns Eislers "Die Massnahme", 1999 die szenisch-musikalische Collage "Der Fall Eisler", 2000 "Dr. Ox" nach Jules Vernes (szenische Einrichtung: Ander-Huber) und 2001 die Uraufführung von Widmers "Bankgeheimnisse" (Regie: Viering) sowie die beiden Vaudeville-Abende mit Ander-Huber und Vogel "Einer Dame auf Platz sowieso" (seit 1994, später unter dem Titel "Damenwohl") und "Her Master’s Noise" (seit 1998). Grosse Erfolge feierte das V. mit seinen Matineereihen im Theater am Hechtplatz: "Sie besassen, was man einen Ruf nennt" (1989–92), "Ich habe dir noch viel zu erzählen" (1992–95) und "Die Liebe der Männer" (1995–98). Zwischen 1989 und 1998 entstanden in diesem Rahmen über siebzig szenische Porträts.



Autor: Peter Arnold



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Arnold, Peter: Vaudeville Theater, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1996–1997.