Walter Lederer

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* 14.8.1906 Wien (A), † 29.7.1993 Bern. 1942–52 I. ∞ →Hansy von Krauss, Operettensängerin.

Studium der Germanistik an der Universität Wien, Promotion mit einer Arbeit über das deutsche Drama der Romantik, daneben Gesangs- und Musikstudien am Konservatorium Wien (bei Hans Duhan). Engagements 1930 am Johann-Strauß-Theater und am Stadttheater in Wien, 1930–32 am →Städtebundtheater Biel-Solothurn, 1932–34 am Stadttheater Troppau, 1934/35 am Stadttheater Reichenberg, 1935–37 an den Vereinten Deutschen Theatern Brünn. 1937 Emigration in die Schweiz. 1937–60 wirkte L. am →Stadttheater Bern. Er gehörte zum so genannten goldenen Berner Operettenensemble und erwarb sich dort sehr grosse Beliebtheit. In seinem reichen Rollenkatalog nahmen die Werke Kálmáns (Edwin Ronald in "Die Csárdásfürstin", Graf Tassilo in "Gräfin Mariza", Graf Sándor in "Der Teufelsreiter", Mister X in "Die Zirkusprinzessin"), Lehárs (Armand Mirbeau in "Frasquita", Goethe in "Friederike", Octavio in "Giuditta", Graf René in "Der Graf von Luxemburg", Prinz Sou-Chong in "Das Land des Lächelns", Graf Danilo Danilowitsch in "Die lustige Witwe", die Titelpartien in "Paganini" und "Der Zarewitsch", Jozsi in "Zigeunerliebe"), Millöckers (Symon Rymanowicz und Jan Janicki in "Der Bettelstudent", Conte Erminio in "Gasparone") und Johann Strauß’ (Gabriel von Eisenstein in "Die Fledermaus", Caramello in "Eine Nacht in Venedig", Baron Franz Fournier in "Die Tänzerin Fanny Elssler", Graf Zedlau in "Wiener Blut", Sandor Barinkay in "Der Zigeunerbaron") eine Sonderstellung ein. Sein Wirkungskreis erstreckte sich gelegentlich ins Opernfach, wo er unter anderem als Incredibile in Giordanos "Andrea Chénier", Wolfgang Capito in →Paul Hindemiths "Mathis der Maler", Baron Kronthal in Lortzings "Der Wildschütz", Schwachsinniger in Mussorgskys "Boris Godunow", Wenzel in Smetanas "Die verkaufte Braut", Macduff in Verdis "Macbeth" und Walther von der Vogelweide in →Richard Wagners "Tannhäuser" seine Vielseitigkeit unter Beweis stellte. L. sang in mehreren Uraufführungen, unter anderem 1939 als Landry in →Ralph Benatzkys "Landrinette" (Regie: →Walther Brügmann, musikalische Leitung: Benatzky) und 1954 als Roy Dexter in Kálmáns "Arizona-Lady" (Regie: L., musikalische Leitung: Georg Meyer). 1941–57 häufige Gastverpflichtungen am →Stadttheater Zürich, unter anderem als Mister X, Graf René, Paganini, Prinz Sou-Chong, Gabriel von Eisenstein, Graf Zedlau, Sandor Barinkay und in der Titelpartie von Zellers "Der Vogelhändler". L. verfügte über alle Begabungen, um glaubhaft Operettenhelden zu verkörpern: eine strahlende Tenorstimme, verführerischen Charme, Eleganz der Erscheinung und ein überaus natürliches, darstellerisches Talent. Seit 1950 wirkte er am Stadttheater Bern auch als Operettenregisseur und übernahm gelegentlich Bonvivant-Rollen in Schauspielaufführungen. Nach seinem Bühnenabschied 1960 wirkte er bis 1979 als Musikrezensent des "Berner Tagblatts" und später der "Berner Zeitung", Theaterverleger und Inhaber eines Schallplattengeschäfts.

Auszeichnungen

  • Ehrenmitglied des Stadttheaters Bern.

Nachlass

  • Teilnachlass in der Schweizerischen Theatersammlung, Bern.


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Walter Lederer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1092

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