Walter Marti

Aus Theaterlexikon
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* 25.4.1896 Zürich, † 17.12.1960 Zürich. Sohn des Schriftstellers und Literaturkritikers Fritz M. (1866–1914), Vater des Filmproduzenten und Dokumentarfilmers Walter M. (1923–99).

Gymnasium in Zürich, Studium der Theologie an den Universitäten Zürich und Genf. 1922–27 Pfarrer im zürcherischen Niederweningen. 1927–34 politischer Korrespondent in Brüssel, unter anderem für die "Neue Zürcher Zeitung". 1934–36 Pfarrer an der Schweizer Kirche in Genua, 1936–41 deutschsprachige Pfarrstelle in Yverdon. Seit 1942 freier Schriftsteller und Journalist in Zürich. Als erste dramatische Werke M.s erschienen 1935 die drei Einakter "Der Diplomat" (Uraufführung 22.10.1941, →Stadttheater St. Gallen, Regie: →Fritz Diez), "Wahn" und "Der Nachtfalter". Neben eher trivialen Stücken für das Volkstheater verfasste M. mehrere engagierte und kritische Zeitstücke, die allerdings wegen mangelnder Bühnentauglichkeit nicht aufgeführt wurden: In "Die Krise der Intelligenz" (1935) plädiert W. für eine Remoralisierung von Politik und Wirtschaft, "Sie schweigt" (1942) handelt von der Teilnahmslosigkeit der Kirche angesichts des Unrechts in der Welt, und im Dreiakter "Heil Tell" (1943) entwarf W. die Antiutopie eines schweizerischen Faschismus. Weitere Bühnenwerke: "Weinlaune" (1937), "Einfaches Leben" (1941), "Die Serie der Berühmten" (1941), "Psyche AG, Lebensberatung" (1941, Uraufführung der Dialektfassung 27.3.1946 durch den →Dramatischen Verein Zürich), "Der unverbesserliche Idealist" (1944), "Die zwei Varianten" (1950) und "Hyde Park" (1952). Auch Verfasser von Hörspielen und Romanen ("Es ist viel Hunger in der Welt" 1944, "Réduit Schweiz" 1948). 1956 erschien M.s Autobiografie "Kleiner Rückblick. Grosser Ausblick".

Literatur

  • Fiedler, Kuno: W. M.s Problemdramen. In: Neue Schweizer Rundschau, N. F. 13/1945–46.
  • Amstutz, Hans/Käser-Leisibach, Ursula/Stern, Martin: Schweizertheater, 2000.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Walter Marti, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1189.

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