Walter Matthias Diggelmann

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* 5.7.1927 Mönchaltorf ZH, † 29.11.1979 Zürich. ∞ III. Klara Obermüller, Journalistin.

D. wuchs bei Pflegeeltern in Walenstadt auf und kam als Sechsjähriger zu seiner Mutter nach Rhäzüns. Abbruch der Sekundarschule und Beginn einer Uhrmacherlehre in Zürich, Flucht nach Italien wegen eines kleinen Diebstahls. Von dort wurde er 1944 als Fremdarbeiter nach Dresden deportiert und blieb bis Kriegsende in süddeutschen Gefängnissen. Nach seiner Rückkehr 1945 in die Schweiz wurde er zunächst unter Amtsvormundschaft gestellt und kam in die Heil- und Pflegeanstalt Rheinau. Autodidaktische Studien führten ihn zu den ersten schriftstellerischen Versuchen. 1949 wurde er Regieassistent am →Schauspielhaus Zürich, Zürich ZH, 1956–58 arbeitete er als Dramaturg bei Radio Zürich, war dann als Werbetexter und freier Schriftsteller tätig. Die →Zürcher Werkbühne führte sein Stück "Der Pilot" 1964 im Studiotheater der Expo in Lausanne auf, das →Theater Heddy Maria Wettstein in Zürich die Monodramen "Ein Hauch von Zweifel" und "Als Zeugin der Verteidigung" (beide: Januar 1965) und "Frau Professor Kuhnert" (November 1969, Regie: →Dietbert Reich). Die Uraufführung von "Menschen glücklich machen oder Das Spiel von Arm und Reich" fand am 11.1.1974 am →Stadttheater Bern, Bern BE statt, die des Stücks "Die letzte Adresse" am Schauspielhaus Zürich (3.6.1976). Postum wurde 1980 D.s Theaterstück "Der Star oder: Auch Betrüger machen Karriere" am Landestheater Schwaben in Memmingen uraufgeführt. Alle Figuren D.s partizipieren an seiner Autobiografie; sie sind gekennzeichnet durch Selbstbestimmung, durch Suche eines sozial Diskriminierten nach Anerkennung und durch Sehnsucht nach Erfolg. In seinem schriftstellerischen Schaffen verarbeitete D. Berichte über die Schweizer Landesverteidigung und über die antisemitische Flüchtlingspolitik der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs und übte Gesellschaftskritik, die immer auch um die eigene Herkunft kreiste. Viele seiner Romane und Erzählungen (1979 "Schatten. Tagebuch einer Krankheit", 1980 "Spaziergänge auf der Margareteninsel") sind der Selbsterfahrungsliteratur zuzuordnen und setzen sich mit D.s tödlicher Krankheit auseinander. D. verfasste auch zahlreiche Arbeiten für Presse, Funk und Fernsehen. Weitere Bühnenwerke: "Drei Väter, zwei Söhne" (1958, 2. Preis im Dramenwettbewerb des Schauspielhauses Zürich), "Jeder findet seinen Brutus" (1960, Preis im Dramenwettbewerb der Stadt Zürich).

Auszeichnungen

  • 1955, 1958, 1976 Anerkennungsgabe der Literaturkommission der Stadt Zürich,
  • 1961 Ehrengabe des Kantons Zürich,
  • 1965 Preis der Conrad-Ferdinand-Meyer-Stiftung,
  • 1979 Preis der Schweizerischen Schillerstiftung.

Literatur

  • W. M. D.: Der Tag erzählt seine eigene Geschichte. Ein Lesebuch, 1992, herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Klara Obermüller.
  • Sanader, V.: Das Prosaschaffen W. M. D.s, Dissertation Innsbruck, 1984.

Nachlass

  • Schweizerisches Literaturarchiv, Bern.


Autorin: Brigitte Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Marschall, Brigitte: Walter Matthias Diggelmann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 470–471.

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