Walter Pfaff

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* 27.12.1949 Zürich.

1970–73 Regieklasse am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. 1984–86 Studium der Germanistik an der Universität Zürich, Abschluss mit Lizenziat. Prägend für seine Arbeit waren die Workshops des La Mama E. T. C. New York 1971 und des Teatr Laboratorium Wroclaw von Jerzy Grotowski 1972 in Wien sowie Kurse am Actors Studio in Los Angeles mit Lee Strasberg 1977. Ab 1975 als Regieassistent am Ulmer Theater, am Schauspiel der Städtischen Bühnen Frankfurt am Main (Zusammenarbeit mit Hans Neuenfels, Peter Palitzsch, Wilfried Minks, Peter Löscher), am Thalia Theater Hamburg und am Burgtheater Wien. In den siebziger Jahren inszenierte er unter anderem Majakowskis "Mysterium buffo" mit den Wiener Komödianten (1974, im Künstlerhaus in Wien), Heiner Müllers "Philoktet" und →Bertolt Brechts "Die Gewehre der Frau Carrar" am Ulmer Theater (1976/77), Horváths "Jugend ohne Gott" am Schauspiel Frankfurt 1978. 1979–81 war er unter →Helmut Palitsch als Oberspielleiter Mitglied der Direktion am Theater am Neumarkt Zürich und inszenierte →Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen", Goethes "Clavigo", Ronald D. Laings "Liebst du mich?", Ulrike Meinhofs "Bambule". Nach einigen Inszenierungen als freier Regisseur in Bremen, Wien, Berlin, Karlsruhe beschäftigte er sich immer intensiver mit aussereuropäischen, insbesondere indischen Theaterformen. Zum Teil monatelange Aufenthalte an indischen Theaterschulen zum Studium von Yaksagana, Kutiyattam, Kalarippayattu. 1989 gründete er in Zürich das Parate-Labor, wandte sich verstärkt dem experimentellen Theater und dem von Jerzy Grotowski propagierten paratheatralen Bereich zu und begann zusammen mit professionellen Performern die experimentelle Erforschung performativer Phänomene und Techniken. In seinem ersten Projekt 1989–91 untersuchte er Veränderungen der "Wahrnehmung nach innen wie nach aussen" und Techniken der aktiven Partizipation. Seit 1992 dient die Liegenschaft einer ehemaligen Klosterschule in Dompierre-les-Omes im Burgund als Centre de travail de recherches théâtrales. 1992–95 folgte das Swiss-India-Project "The Meeting", ein Forschungsprojekt, das sich der europäischen theatralen Performancetechnik, wie sie Grotowski begründete, und den indischen Theatertraditionen "in der Form des alten rituellen Tempeltheaters von Karala in Indien, dem Kutiyattam", widmete. Daraus hervor ging die Inszenierung von Calderóns "Das Leben ist Traum" und die Ausstellungen "tala, mudra, rasa – Der sprechende Körper. Alltagskörper. Körperkunst" (1996/97 im Museum für Gestaltung, Zürich) und "Der sprechende Körper" (1998 im Österreichischen Theatermuseum, Wien). 1998–2001 folgte das Projekt "Ritual Realities", das sich ganz dem rituellen Bereich zuwandte. Lehraufträge führten P. an die University of Southern California, die Schauspielschule Frankfurt, ans Ninasam Theatre Institute in Indien, an die Janackova-Akademie in Brünn sowie an die Universität Zürich. Als Forscher der Theateranthropologie und -ethnologie veröffentlichte P. zahlreiche Aufsätze, unter anderem: Der sprechende Körper, 1997. The Meeting. In: Maske und Kothurn 2/1998. Rituelle Realitäten I. Arbeit am Verfahren der Ritualisierung. In: Hütter, Michael/Schwinghammer, Susanne/Wagner, Monika (Hg.): Aufbruch zu neuen Welten, 2000.



Autor: Jean Grädel



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Grädel, Jean: Walter Pfaff, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1402–1403.

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