Werner Gröschel

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* 18.9.1940 Nürnberg (D). Bruder des Chordirektors und Dirigenten Rolf G.

Gesangsstudium in München am Richard-Strauss-Konservatorium bei Marcel Cordes und in Feldafing privat bei Josef Metternich. Engagements 1967–70 am Schleswig-Holsteinischen Landestheater Flensburg, 1970–72 am Stadttheater Würzburg und 1972–2003 am →Opernhaus Zürich. G. debütierte 1967 in Flensburg als seriöser Bassist mit Jacopo Fiesco in Verdis "Simon Boccanegra". Nach zwei Gastspielen in der Saison 1971/72 am Opernhaus Zürich (als Sarastro in Mozarts "Die Zauberflöte" und Grande Inquisitore in Verdis "Don Carlo") wurde G. bald einer der vielseitigsten und verlässlichsten Sänger in →Hermann Juchs Solistenensemble. Sein Zürcher Repertoire umfasste eine grosse Zahl erster Basspartien, etwa Rocco in Beethovens "Fidelio", Osmin in Mozarts "Die Entführung aus dem Serail", Bauer in Orffs "Die Kluge", Graf Waldner in Richard Strauss’ "Arabella", die Verdi-Partien Silva in "Ernani", Conte di Walter in "Luisa Miller" und Zaccaria in "Nabucco" sowie die Wagner-Rollen König Heinrich in "Lohengrin", Veit Pogner in "Die Meistersinger von Nürnberg", Gurnemanz in "Parsifal" und Landgraf Hermann in "Tannhäuser". In der Ära →Claus Helmut Drese wirkte G. als Plutone beziehungsweise Tempo in Monteverdis "L’Orfeo" und "Il ritorno d’Ulisse in patria" mit und stiess mit der Übernahme des Don Pizarro in Beethovens "Fidelio" und der Titelpartie in →Richard Wagners "Der fliegende Holländer" gar ins Heldenbariton-Fach vor. Dass G. in späteren Jahren auch kleineren Rollen ein interessantes Profil zu verleihen vermochte, bewies er unter anderem als Swallow in Brittens "Peter Grimes", Polizeikommissar Gretch in Giordanos "Fedora", schwarzer Minister in Ligetis "Le Grand Macabre", Haushofmeister in Richard Strauss’ "Capriccio" und Förster Kuno in Webers "Der Freischütz". Ausserdem wirkte er mit in zahlreichen Schweizer Erstaufführungen sowie in den Uraufführungen von →Rudolf Kelterborns "Ein Engel kommt nach Babylon" (1977 als erster Soldat, Regie: Götz Friedrich, musikalische Leitung: →Ferdinand Leitner), Giselher Klebes "Ein wahrer Held" (1975 als Michael James Flaherty, Regie: Imo Moszkowicz, musikalische Leitung: Leitner) und →Heinz Holligers "Schneewittchen" (1998 als König, Regie: Reto Nickler, musikalische Leitung: Holliger). Gastverpflichtungen in Bremen, Düsseldorf-Duisburg, Kaiserslautern, Krefeld-Mönchengladbach, an der Bayerischen Staatsoper München (1980 Bauer), in Oldenburg, Stuttgart, an der Volksoper Wien, in Wiesbaden sowie in der Schweiz an den →Basler Theatern (Commendatore in Mozarts "Don Giovanni" und Fürst Gremin in Tschaikowskys "Eugen Onegin"), am →Stadttheater Bern (Sarastro und Don Basilio in Rossinis "Il barbiere di Siviglia"), →Théâtre Municipal in Lausanne (1983 Sarastro), →Stadttheater Luzern (1977/78 Grande Inquisitore) und →Stadttheater St. Gallen (Crespel in Offenbachs "Les Contes d’Hoffmann" und Lodovico in Verdis "Otello"). Zahlreiche Verpflichtungen als Konzert- und Liedersänger.

Auszeichnungen

  • 2001 Grosser Musikpreis der Volksbank-Hochrhein-Stiftung.


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Werner Gröschel, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 756–757.

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