Werner Herbert Schmidt

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* 28.6.1902 Aachen (D), † 10.2.1978 Luzern. Bruder des Sängers Rudolf S.

Gesangsausbildung vermutlich in Basel. Danach war S. 1926–72 fest am →[Luzerner Theater, Luzern LU|Stadttheater Luzern] engagiert. Er debütierte dort als Hans Stadinger in Lortzings "Der Waffenschmied" und gestaltete in den folgenden fünfzehn Jahren als erster seriöser Bass und Bassbuffo zahlreiche Partien in Oper und Operette: unter anderem Bijou in Adams "Le Postillon de Lonjumeau", Rocco in Beethovens "Fidelio", Méphistophélès in Gounods "Faust", die Lortzing-Rollen Kellermeister Hans in "Undine", Baculus in "Der Wildschütz" und van Bett in "Zar und Zimmermann", Oberst Ollendorf in Millöckers "Der Bettelstudent", die Mozart-Rollen Leporello in "Don Giovanni", Osmin in "Die Entführung aus dem Serail", Figaro in "Le nozze di Figaro" sowie Sarastro und Papageno in "Die Zauberflöte", Falstaff in Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor", Calchas in Offenbachs "La Belle Hélène", Knecht Ruprecht in Pfitzners "Das Christ-Elflein", Geronte de Ravoir in Puccinis "Manon Lescaut", Dr. Bartolo in Rossinis "Il barbiere di Siviglia", Kalman Zsupan in Johann Strauß’ "Der Zigeunerbaron", Fra Melitone in Verdis "La forza del destino", Teufel in Jaromír Weinbergers "Schwanda der Dudelsackpfeifer" und Cancian in Wolf-Ferraris "I quattro rusteghi". An der Schweizer Erstaufführung von Verdis "Simon Boccanegra" war S. ebenso beteiligt (1930/31 als Jacopo Fiesco, Regie: Friedrich Beug/Max See, musikalische Leitung: Ernst Hohlfeld) wie an der Uraufführung von →Werner Wehrlis "Das Vermächtnis" (1934 als alter Grass, Regie: See, musikalische Leitung: →Alexander Krannhals). Gelegentliche Gastverpflichtungen an den Stadttheatern von Bern, St. Gallen und Zürich (1944/45 Lindoberer in Falls "Der fidele Bauer" und 1949/50 Obereunuch in Lehárs "Das Land des Lächelns"). Im Verlauf der Jahre übernahm S. nicht nur zahlreiche Charakter- und Komikerrollen im Musiktheater (beispielsweise Njegus in Lehárs "Die lustige Witwe" und Frosch in Johann Strauß’ "Die Fledermaus"), sondern bewährte sich auch als markanter Darsteller im Schauspiel. Er spielte unter anderem 1942 Yuan-shi-kai/Major Hazlitt in der Uraufführung von Bruno Franks "Die verbotene Stadt" (Regie: →Paul Schill), 1943 Pandolfo in Goldonis "Der Diener zweier Herren", 1945 Krogstad in Ibsens "Nora", 1946 Dr. Pflugfelder in Schnitzlers "Professor Bernhardi", 1947 Hans von Einwil in →Cäsar von Arx’ "Der heilige Held", 1949 Julius Schmittolini in →Carl Zuckmayers "Katharina Knie" und Montané in der Schweizer Erstaufführung von →Fritz Hochwälders "Der öffentliche Ankläger" (Regie: →Peter Lotar), 1950 Dr. Abraham Bredius in →Arnold H. Schwengelers "Der Fälscher", 1951 Dr. Gruber in der Uraufführung von Käte Fabians "Einbruch in die Schöpfung" (Regie: →Leonard Steckel), 1953 Marquis de la Force in Georges Bernanos’ "Die begnadete Angst" und Louis in Sartres "Die schmutzigen Hände", 1955 Captain Blakely in Herman Wouks "Meuterei auf der Caine" und Alfred Doolittle in Shaws "Pygmalion", 1956 Pilatus in der Schweizer Erstaufführung von Diego Fabbris "Prozess Jesu" (Regie: →Ernst Dietz) und Profässer Zäusler in →Albert Jakob Weltis "Steibruch", 1959 Oronte in Molières "Die Schule der Frauen". 1955–72 wirkte S. als Präsident des →SBKV.



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Werner Herbert Schmidt, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1617.

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