Werner Hollweg

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* 13.9.1936 Solingen (D). Vater des Musikers und Regisseurs Titus H.

Zunächst Schauspielausbildung an der Schauspielschule Dumont in Düsseldorf, dann Gesangsausbildung an der Musikhochschule Detmold. Zusätzliche Gesangsstudien in Lugano (bei Fred Husler) und München. Engagements 1962/63 an der Wiener Kammeroper (Debüt als Agenore in Mozarts "Il re pastore"), 1963–67 am Theater der Stadt Bonn und 1967–69 am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen. Danach war H. freischaffend tätig. Regelmässige Gastverpflichtungen hatte er 1969–72 an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, 1970–81 an der Deutschen Oper Berlin, 1970–91 an der Hamburgischen Staatsoper, 1971–86 an der Bayerischen Staatsoper München, 1974–86 an der Kölner Oper, 1977–91 am →Opernhaus Zürich und 1982–93 am Landestheater Salzburg. Seit dem Beginn seiner Karriere nahmen die Werke Mozarts einen zentralen Platz im Repertoire des lyrischen Tenors ein, der bald zu einem führenden Mozart-Interpreten wurde. So markierte sein Erfolg als Belmonte in "Die Entführung aus dem Serail" 1969 beim Maggio Musicale Fiorentino in Florenz den Beginn seiner bedeutenden internationalen Karriere, die ihn an zahlreiche grosse Opernhäuser und zu den wichtigsten europäischen Festivals führte. Seine weiteren Mozart-Partien waren vor allem Ferrando in "Così fan tutte", Don Ottavio in "Don Giovanni", Tamino in "Die Zauberflöte" sowie die Titelpartien in "La clemenza di Tito", "Idomeneo" und "Lucio Silla". Am Opernhaus Zürich war er im Rahmen der Junifestwochen 1969 und wiederum 1974/75 als Tamino zu Gast. Ab 1977 sang er in Jean-Pierre Ponnelle/→Nikolaus Harnoncourts Monteverdi-Zyklus in "Il ritorno d’Ulisse in patria" die Titelrolle und im "Achten Madrigalbuch" sowie in Ponnelle/Harnoncourts Mozart-Zyklus Idomeneo, Lucio Silla und Tito. Ausserdem sang er Tiresias in Orffs "Antigonae" (1983) und bewies als Eisenstein in Johann Strauß’ "Die Fledermaus" (1986) und Sandor Barinkay in dessen "Zigeunerbaron" (1990) auch seine komödiantische Begabung. Mit dem Schweizer Musiktheater war H. durch weitere Gastauftritte verbunden, so etwa mit dem →Grand Théâtre in Genf (1973 Idomeneo, 1974 Belmonte, 1976 Max in Webers "Der Freischütz"), dem →Stadttheater Bern (1996 Prospero in der Uraufführung von Daniel Schnyders Oper "Der Sturm", Regie: →Gerd Heinz, musikalische Leitung: Hans Drewanz) und dem →Stadttheater St. Gallen (1998 Damunt in der Uraufführung von →Daniel Fueters Oper "Stichtag", Regie: Reto Nickler, musikalische Leitung: Eduard Meier). Weitere bemerkenswerte Erfolge hatte H. – häufig in seinen Mozart-Partien – am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, in Budapest, am Teatro Colón in Buenos Aires, beim Edinburgh Festival, beim Maggio Musicale Fiorentino in Florenz, am Teatro Margherita Genua, in Helsinki, an der Covent Garden Opera London, an der Mailänder Scala, am Teatro San Carlo in Neapel, an der Opéra de Paris (1986 Jason in Cherubinis "Médée", 1989 Matthäus Levi in der Uraufführung von York Höllers "Der Meister und Margarita"), am Nationaltheater Prag, in Rio de Janeiro, bei den Salzburger Festspielen (zwischen 1970 und 1990 unter anderem Belmonte, Tito, Idomeneo, Tamino und die Titelpartie in Händels "Jephta"), in Stuttgart, am Teatro la Fenice in Venedig, an der Staatsoper Wien und in Wuppertal (1993 Wowa in der deutschen Erstaufführung von Alfred Schnittkes "Leben mit einem Idioten"). Seit Ende der siebziger Jahre wirkt H. auch als Opernregisseur, unter anderem in Bern, am Stadttheater Bremerhaven, an den Städtischen Bühnen Freiburg im Breisgau, am →Théâtre Municipal in Lausanne (Mozarts "La finta giardiniera"), am Landestheater Linz, am Landestheater Salzburg, an den Wuppertaler Bühnen und am Opernhaus Zürich (1983 Schweizer Erstaufführung von Brittens "The Burning Fiery Furnace" im Grossmünster). Ab 1993 unterrichtete H. als ordentlicher Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau. Bedeutender Konzert- und Liedersänger. H. tritt auch als Schauspieler auf. Zahlreiche Einspielungen auf Tonträger.



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Werner Hollweg, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 865–866.

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