Wilhelm Bockholt

Aus Theaterlexikon
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* 6.8.1869 Lütgenhof (D), † 20.9.1956 Zürich.

Zunächst Ausbildung zum Dekorations- und Theatermaler in Lübeck und Freiburg im Breisgau. Erste Engagements als Theatermaler mit Chorverpflichtung 1889/90 am Stadttheater Freiburg im Breisgau und 1890/91 am Fürstlichen Theater Sondershausen-Dortmund. 1891–94 als Chorsänger mit Schauspielverpflichtung am →Stadttheater Zürich. Weitere Engagements als Solist 1894/95 am →Stadttheater Bern, Bern BE, 1895–97 am Stadttheater Mainz, 1897–1901 am Stadttheater Nürnberg und 1901–34 erneut am Stadttheater Zürich. Unter der Direktion →Alfred Reuckers zählte B. als erster lyrischer und Kavalierbariton zu den Lieblingen des Zürcher Publikums. Sein Repertoire dieser Jahre umfasste nicht nur die üblichen Rollen seines Fachs in den Werken Donizettis, Lortzings, Mozarts, Rossinis, Verdis und →Richard Wagners, sondern auch zahlreiche Partien in selten aufgeführten Opern, beispielsweise von Adam, Cherubini, →Hans Huber, Etienne Nicolas Méhul, Meyerbeer und Wolf-Ferrari. B.s stimmliche Disposition erlaubte es ihm bald, auch Partien für Heldenbariton zu übernehmen. So sang er unter anderem die Wagner-Partien Amfortas in "Parsifal" (in der Schweizer Erstaufführung von 1913, Regie: Reucker/→Hans Rogorsch, musikalische Leitung: →Lothar Kempter), Telramund in "Lohengrin", Wolfram von Eschenbach in "Tannhäuser" und Kurwenal in "Tristan und Isolde". B. wirkte ausserdem in einer Reihe von Uraufführungen mit, so in Georg Haesers "Hadlaub" (1903 Wernher), →Hans Jelmolis "Sein Vermächtnis" (1904 Reisender), Busonis "Arlecchino oder Die Fenster" (Ser Matteo del Sarto) und "Turandot" (Tartaglia; beide 1917 unter der Leitung Busonis), →Othmar Schoecks "Don Ranudo" (1919 Pedro) und "Venus" (1922 Bertram unter der Leitung Schoecks), Oskar Ulmers "Ein Walzer" (1923 Kalchas) und Karl Heinrich Davids "Der Sizilianer oder Der Liebhaber als Maler" (1924 Don Pedro). Er sang auch in wichtigen Schweizer Erstaufführungen, unter anderem von Puccinis "Madama Butterfly" (1909/10 Sharpless), Verdis "Don Carlo" (1910/11 Marchese di Posa), Humperdincks "Königskinder" (1911/12 Spielmann), Eugen d’Alberts "Die toten Augen" (1916/17 Arcesius), Richard Strauss’ "Ariadne auf Naxos" (1923/24 Musiklehrer), Wolf-Ferraris "I quattro rusteghi" (1923/24 Simon), Kreneks "Jonny spielt auf" (1927/28 Manager), Bergs "Wozzeck" (1931/32 Doktor), Giordanos "Andrea Chénier" (1931/32 Mathieu). Mit Beginn der zwanziger Jahre wandte sich B. vermehrt dem Fach des Bassbuffos und Charakterbasses zu und gestaltete auf diesem Gebiet zahlreiche Rollenporträts, etwa die Titelpartie in Donizettis "Don Pasquale", van Bett in Lortzings "Zar und Zimmermann", Leporello in Mozarts "Don Giovanni", Falstaff in Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor", Dr. Bartolo in Rossinis "Il barbiere di Siviglia", Kezal in Smetanas "Die verkaufte Braut" und Fra Melitone in Verdis "La forza del destino". Besondere Erwähnung verdienen seine Interpretationen von Alberich in Wagners "Der Ring des Nibelungen" und Sixtus Beckmesser in Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg". Gastverpflichtungen am →Stadttheater Basel (unter anderem 1926/27 Herr von Faninal in Richard Strauss’ "Der Rosenkavalier"), am Stadttheater Bern (1917/18 Wolfram von Eschenbach), am →Grand Théâtre in Genf (unter anderem 1926 Kurwenal, 1927 Alberich in "Siegfried" und 1930 in "Götterdämmerung"), am →Stadttheater St. Gallen (1920/21 Figaro in Rossinis "Il barbiere di Siviglia") und zuletzt erneut am Stadttheater Zürich (1934/35 Sixtus Beckmesser).



Autor: Paul Suter




Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Wilhelm Bockholt, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 224–225.

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