Willi Schuh

Aus Theaterlexikon
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* 12.11.1900 Basel, † 4.10.1986 Zürich.

Während der Gymnasialzeit erste Musikstudien bei Eugen Kutschera und →Werner Wehrli in Aarau sowie bei Eugen Papst in Bern, danach 1920–24 in München bei Walter Courvoisier und an der Akademie der Tonkunst bei Anton Beer-Walbrunn (Komposition). Ab 1922 Studium der Kunst-, Literatur- und Theatergeschichte sowie der Musikwissenschaft, zunächst in München bei Adolf Sandberger, ab 1924 in Bern bei Ernst Kurth. 1927 Promotion mit einer Arbeit über "Formprobleme bei Heinrich Schütz". 1930–44 unterrichtete S. Musikgeschichte und Harmonielehre unter anderem am Konservatorium Zürich. 1928–65 war er als Musikkritiker bei der "Neuen Zürcher Zeitung" tätig (Kürzel: uh), ab 1944 als Leiter der Musikredaktion. 1934–36 gab S. zusammen mit Ernst Mohr die "Mitteilungen der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft" heraus, 1941–68 wirkte er als Redaktor der "Schweizerischen Musikzeitung". Als Konzert- und Opernkritiker gab S. dem schweizerischen Musikleben wesentliche Impulse, da er vor allem die differenzierte Würdigung neuer Kompositionen und Bühnenwerke in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit stellte. Darüber hinaus berichtete er regelmässig aus allen bedeutenden Festspielorten Europas (Aix-en-Provence, Bayreuth, Glyndebourne, München, Salzburg) und reflektierte in diesem Rahmen auch aktuelle Tendenzen der Inszenierungsästhetik, etwa den "Neubayreuther Stil" Wieland Wagners. Zahlreiche seiner journalistischen Beiträge wurden publiziert in den vier Bänden "Kritiken und Essays" (1947–55) sowie in "Umgang mit Musik" (1970). S.s wissenschaftliche Arbeit kreiste in erster Linie um das Opernwerk von Richard Strauss, mit dem er in dessen letzten Lebensjahren freundschaftlich verbunden war, aber auch um das Schaffen von Schweizer Musikern, vor allem →Othmar Schoecks, sowie von französischen, deutschen und österreichischen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts. Ausserdem war S. Mitherausgeber des "Schweizer Musiker-Lexikons" (1964), 1931–38 Präsident und ab 1971 Ehrenmitglied der Ortsgruppe Zürich der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft, 1931–39 im Vorstand und anschliessend Ehrenmitglied des Schweizerischen Musikpädagogischen Verbands, 1967–72 im Direktorium der International Musicological Society.

Auszeichnungen

  • 1963 Hans-Georg-Nägeli-Medaille der Stadt Zürich,
  • 1969 Ehrenmitglied des Schweizerischen Tonkünstlervereins,
  • 1970 Max Reinhardt-Medaille der Salzburger Festspiele und Ehrengabe der Stadt Zürich,
  • 1974 Wolfgang-Amadeus-Mozart-Preis der Basler Goethe-Stiftung.

Literatur

  • Art Nouveau. Jugendstil und Musik, herausgegeben aus Anlass des 80. Geburtstages von W. S. von Jürg Stenzl, 1980.
  • Briner, Andreas: W. S., 1998.

Nachlass

  • Musikwissenschaftliches Seminar der Universität Zürich.


Autor: Arne Stollberg



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Stollberg, Arne: Willi Schuh, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1638–1639.

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