Willy Duvoisin

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* 12.10.1912 Basel, † 8.9.1958 Messkirch (D), eigentlich Wilhelm Vögele, auch Willy D.-Voelge.

Ausbildung zum Schauspieler und Operettenbuffo an der Max-Reinhardt-Schule Berlin. Engagements (unter dem Namen Willy Voelge) 1933–36 am Stadttheater Aachen, 1936/37 am Neuen Schauspielhaus Wilhelmshaven, 1937/38 am Reußischen Theater Gera, 1938/39 am Stadttheater Fürth, 1939/40 am Gautheater Saarpfalz in Saarbrücken und 1940/41 als Gast am Theater an der Reeperbahn Hamburg. 1941/42 war D. als Gast am →Stadttheater Bern, Bern BE tätig, wo er →Ralph Benatzkys "Meine Schwester und ich" und Offenbachs "La Belle Hélène" inszenierte, in denen er auch die Rolle des Roger Fleuriot beziehungsweise des Roi Ménélas verkörperte. 1942/43 Stückverträge als Sänger am Renaissance-Theater und am Rose-Theater in Berlin. 1944–53 war D. als Schauspieler, Operettenbuffo sowie Spielleiter des Schauspiels und der Operette – zunächst unter dem Namen Duvoisin-Voelge, ab 1946 unter D. – am →Stadttheater Basel engagiert, dem er auch danach als Gastregisseur verbunden blieb. Zu seinen Schauspielrollen zählten unter anderem Lucianus in der Uraufführung von →Friedrich Dürrenmatts "Der Blinde" (1948), Alexey in der deutschsprachigen Erstaufführung von Gorkis "Jegor Bulytschow und die Anderen" (1947, Regie beide: →Ernst Ginsberg), Salomon und Clairon in Franz Werfels "Jacobowsky und der Oberst" (1944, Regie: →Franz Schnyder), die Titelrolle in Nestroys "Der böse Geist Lumpazivagabundus", Troppo in Goldonis "Das Kaffeehaus", Motes in Hauptmanns "Der Biberpelz", Spiegelberg in Schillers "Die Räuber" und Oronte in Molières "Der Misanthrop". D. erwies sich auch als agiler und humorvoller Operettenbuffo, etwa als Sigismund Sülzheimer in Benatzkys "Im weissen Rössl", Joseph Calicot in Leo Falls "Madame Pompadour", Paul Aubier in Richard Heubergers "Der Opernball", in den Kálmán-Rollen Graf Boni Káncsiánu in "Die Csárdásfürstin" und Baron Zsupán in "Gräfin Mariza", in den Lehár-Rollen Armand Brissard in "Der Graf von Luxemburg", Graf Gustav von Pottenstein in "Das Land des Lächelns", Marchese Giacomo Pimpinelli in "Paganini" und Iwan in "Der Zarewitsch", als Bronio von Popiel in Oskar Nedbals "Polenblut", Josef Fraunhofer in Fred Raymonds "Maske in Blau", in den Johann-Strauß-Rollen Pappacoda in "Eine Nacht in Venedig" und Prinz Orlofsky in "Die Fledermaus" sowie als August Fliederbusch in Carl Michael Ziehrers "Die Landstreicher". Als Spielleiter wirkte D. zuerst im Schauspiel, wo er unter anderem 1944 Shaws "Androklus und der Löwe", 1945 Molnárs "Spiel im Schloss" und 1949 Norman Krasnas Lustspiel "Liebe Ruth …"inszenierte. Mit Lehárs "Die lustige Witwe"übernahm er 1949 erstmals eine Operetten-Inszenierung. In der Folge inszenierte er in Basel über zwanzig Operetten, unter anderem →Paul Burkhards "Der schwarze Hecht", Hervés "Mamzelle Nitouche" (in der →Komödie Basel), Fritz Kreislers "Sissy", Millöckers "Die Dubarry", Offenbachs "La Belle Hélène" und "Orphée aux enfers", Oscar Straus’ "Ein Walzertraum", Johann Strauß’ "Wiener Blut", Suppés "Boccaccio" und die Schweizer Erstaufführung von Cole Porters Musical "Kiss Me, Kate" (1956, musikalische Leitung: Hans Rohrer/→Harri Rodmann). Diese Inszenierungen zeichneten sich durch Humor und Fantasie, ein sensibles Gespür für die Musik sowie eine Leichtigkeit der Darstellung aus. Ab 1953 wirkte D. am Staatstheater am Gärtnerplatz München: bis 1955 als Oberspielleiter, ab 1955 bis zu seinem Tod als Intendant. Im Zentrum seiner dortigen Tätigkeit stand die Pflege von Spielopern, Operetten und Musicals. Herausragende Münchner Inszenierungen D.s waren unter anderem Aubers "Fra Diavolo", Flotows "Martha", →Arthur Honeggers "Les Aventures du roi Pausole", Ziehrers "Die Landstreicher", mehrere Werke Offenbachs, etwa "La Belle Hélène", die drei Einakter "Le Mariage aux lanternes", "Le Fifre enchanté ou Le Soldat magicien" und "L’Ile de Tulipatan", "La Vie parisienne" und "La Périchole" sowie Johann Strauß’ "Eine Nacht in Venedig". Eine seiner letzten Inszenierungen erarbeitete D. im Mai 1958 in Basel im Rahmen des Béla-Bartók-Festes: "Herzog Blaubarts Burg" im Bühnenbild von →Max Bignens, mit dem ihn eine langjährige Zusammenarbeit verband. D. starb bei einem Autounfall.



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Willy Duvoisin, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 506–507.

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