Wolfgang Zörner

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* 1.5.1939 Osterode (Ostróda, heute: PL).

1960–67 Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in Graz und Erlangen, Promotion. 1961–64 Regieklasse an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz, Diplom 1965. 1961–63 Assistent von Wieland und Wolfgang Wagner bei den Bayreuther Festspielen, 1965/66 Regieassistent an den Vereinigten Bühnen Graz, 1970 Regieassistent bei Herbert von Karajan bei den Osterfestspielen in Salzburg. 1964–70 künstlerische und administrative Gesamtleitung des Regieseminars an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz. Als Gastregisseur am Stadttheater Pforzheim tätig (1969/70), am →Stadttheater St. Gallen (1969–71, Verdis "Der Troubadour" und dessen "Don Carlos", →Richard Wagners "Der fliegende Holländer"), an der Staatsoper Wien (1972/73). 1971/72 Regisseur und persönlicher Referent des Generalintendanten Günter Könemann am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. 1973–80 Direktor des Stadttheaters St. Gallen. Hier gelang es Z., durch geschickte Spielplanpolitik, den Aufbau eines jungen und leistungsfähigen Ensembles und die Verpflichtung überregional bekannter Künstler die Auslastungszahlen sukzessive zu steigern. Er verpflichtete Joachim Engel-Denis und Dietmar Pflegerl als Hausregisseure. Für seine eigenen Inszenierungen arbeitete er kontinuierlich mit dem Dirigenten →Max Lang, dem Bühnenbildner Manfred Schröter und der Kostümbildnerin →Johanna Weise zusammen. Sein Spielplan bot eine Mischung aus hochwertiger Unterhaltung und Werken, die auf Grund ihrer brisanten Thematik oder ihrer für das Publikum ungewohnten Inszenierung Diskussionsstoff boten (zum Beispiel 1974 Fleißers "Fegefeuer in Ingolstadt", 1977 Brendan Behans "Die Geisel", Regie: Pflegerl, 1977 die Schweizer Erstaufführung von Athol Fugards "Aussagen nach einer Verhaftung auf Grund des Gesetzes gegen Unsittlichkeit", Regie: Engel-Denis, 1976 Richard Strauss’ "Salome", Regie: Z.). Die für St. Gallen bemerkenwerte Erneuerung der Bühnenästhetik in Richtung stilistische Abstraktion durch die Nutzung der technischen Möglichkeiten und die Aufwertung der Lichtregie war ein Markenzeichen der Regiearbeiten Z.s. 1979–81 Direktor des →Stadttheaters Bern, während er parallel dazu im ersten Jahr das Stadttheater St. Gallen weiterhin leitete. Auf Grund der unvermutet höchst problematischen finanziellen Situation des Berner Stadttheaters löste er schon ein Vierteljahr nach Amtsantritt seinen Fünfjahresvertrag vorzeitig per Ende Juni 1981. In den folgenden Jahren arbeitete er als Gastregisseur am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden (1981/82) sowie am Stadttheater in Klagenfurt (1989/90) und widmete sich anderen Tätigkeiten. 1993/94 wurde er in der Nachfolge →Frank Baumbauers Direktor des →Theaters Basel. Noch vor seinem Amtsantritt wurde ihm von unterschiedlichen Kreisen und von Seiten seiner künftigen Mitarbeiter vorgeworfen, die rigiden Sparpläne der Stadt zum Schaden des Theaters zu akzeptieren; Z. wollte den Sparplänen mit einer Strukturreform begegnen. Im März 1994 gab der Verwaltungsrat dem internen wie externen Druck schliesslich nach und löste den Vertrag mit ihm in gegenseitigem Einvernehmen vorzeitig auf. Seither freie Tätigkeit als Regisseur: 1993/94 Gast­inszenierung an der Staatsoper Wien und 1996/97 am Badischen Staatstheater in Karlsruhe.



Autorin: Silke Christiane Keckeis



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Keckeis, Silke Christiane: Wolfgang Zörner, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2153–2154, mit Abbildung auf S. 2154.

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