Zähringer-Refugium, Bern BE

Aus Theaterlexikon
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Kleintheater, Gastspielbetrieb und Eigenproduktionen, Kleinkunstprogramme und Sprechtheater, 1970–95

Am 7.2.1970 wurde das Z., auch Zähringer-Podium oder Zähringer genannt, von Hugo Ramseyer (seit 1965 Leiter des Zytglogge Verlags in Gümligen bei Bern, 1967/68 Leiter des →Theaters am Käfigturm und des →Theaters am Zytglogge in Bern) und Mitgliedern des Cabarets Schifertafele (Administration: Walter Maurhofer, Technik: Rolf Attenhofer,) mit →Kurt Martis "Leichenreden" und dem Folksong-Trio "Peter, Sue und Marc" im ersten Stock des Restaurants "Zum Zähringer" eröffnet. Als Rechtsträger und künstlerischer Leiter zeichnete Ramseyer. Die Bedeutung des Z. lag in der Vielfalt des Programmangebots. Insbesondere stellte es junge, noch unbekannte Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlichster Kunstrichtungen vor. Neben dem Theatersaal mit Barbetrieb war eine Galerie, die Wechselausstellungen zeigte, fester Bestandteil des Z. Der Spielplan bot Kabarettvorstellungen, Konzerte (Chanson, Jazz, Folk, E- und Kammermusik), Autorenlesungen, Pantomimen-, Clown- und Tanzprogramme sowie Puppentheatervorstellungen; die gastierenden Künstlerinnen und Künstler waren mehrheitlich Schweizerinnen und Schweizer, viele aus der Region Bern. Daneben stellte das Z. ausländisches Schaffen vor und war eine der Spielstätten des →Internationalen Festivals kleiner Bühnen Bern. 1971–78 stellten die Produktionen des Theaterkollektivs →Studio am Montag unter der Leitung von →Norbert Klassen einen wesentlichen Bestandteil des Programms dar. Eine Zeitlang betrieb Ramseyer das Theater gemeinsam mit Klassen, bevor sich das Studio am Montag 1977 vom Z. trennte. Anfangs wurde zweimal in der Woche gespielt, ab November 1974 sechs- bis siebenmal. 1970 wurden mit dem Eröffnungsprogramm, →Walter Vogts "Legion ist mein Name" und "Play Mund Art" Eigenproduktionen realisiert. Nachdem sich das Studio am Montag vom Z. gelöst hatte, bildete dieses mit Beginn der Spielzeit 1978/79 ein eigenes Ensemble, um weiterhin zeitgenössische Theaterstücke zeigen zu können, initiierte die Reihe "Dorftheater in der Stadt", um Schulen und auswärtigen Theatergruppen die Gelegenheit zu bieten, ihre Produktionen in Bern zu zeigen, und gab sich die Zusatzbezeichnung "Theater an der Schwelle". Das Zähringer-Ensemble realisierte unter anderem 1979 →Urs Widmers "Nepal" (Regie: Peter Kopf), die Uraufführung von →Ernst Burrens "Dr Zang im Pfirsich" (Regie: →Jost Nyffeler), 1980 Widmers "Stan und Ollie in der Schweiz" (Regie: Kopf), 1984 Jura Soyfers "Vineta" (Regie: Lukas Leuenberger) und 1985 die Uraufführung von Alex Gfellers "Grusinien" (Regie: Bernhard Jundt). Zudem wurde 1980 eine Theaterwerkstatt ins Leben gerufen, die bis 1984 jährlich mit Amateuren ein Stück erarbeitete (insgesamt vier Produktionen). Anfangs betrieben fünf, später zwei Personen das Z. ehrenamtlich. 1974/75 sprach der Gemeinderat dem Theater eine Defizitdeckungsgarantie zu, 1975–82 erhielt es feste Subventionen. 1982–84 wurde die Unterstützung reduziert auf so genannte Infrastrukturbeiträge. Daneben konnte sich das Z. um Produktionsbeiträge bewerben. Ab 1985 galt nur noch Letzteres. Dadurch erschwerten sich die Produktionsbedingungen; "Vineta" wurde beispielsweise über Theateraktien finanziert (120 Aktien im Wert von je hundert Franken wurden verkauft). 1986 änderte Ramseyer das Betriebskonzept des Z. nochmals: es gab keine Eigenproduktionen mehr, stattdessen wieder mehr Kleinkunstgastspiele, die Galerie und das Theater wurden unter dem Namen "Kleinkunsthalle" zusammengefasst. 1995 musste das Z. schliessen, da das Restaurant "Zum Zähringer" umgebaut werden sollte. Am Abschiedsfest vom 10.6.1995 gastierten einige der Künstlerinnen und Künstler, die zu den Stammgästen des Theaters gehört hatten, ein letztes Mal auf dieser Bühne. Ein Jahr später wurde die Galerie geschlossen. Unter der Leitung von Ramseyer, der auch Initiant der →KTV war, trug das Z. in den 25 Jahren seines Bestehens wesentlich zur Förderung der Schweizer Kleinkunstszene bei.

Spielstätte

Badgasse 1, 3011 Bern. Die Badgasse 1 ist das einzige erhaltene Fachwerkhaus der Häuserfront aus dem 16./17. Jahrhundert. 1970 wurden die Räumlichkeiten im ersten Stock als Theatersaal eingerichtet. Eröffnungsdatum: 7.2.1970. Variabel kann eine Guckkasten-, Arena- oder Rundbühne eingerichtet werden; Platzkapazität: 100–150 Plätze; Bistrobestuhlung möglich. Bühne: 7,2 m breit, 2,6 m hoch, 3,6 m tief; Vorbühne: 9,3 m breit, 0,5 m tief.

Literatur

  • Ramseyer, Hugo: Ein Refugium. Das Theater im Zähringer. In: Dickerhof, Urs/Giger, Bernhard (Hg.): Tatort Bern, 1976.
  • Jäggi, Anne: Kleintheater in Bern. Lizenziatsarbeit der Universität Bern, 1998.


Autor: Thomas Keller



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Keller, Thomas: Zähringer-Refugium, Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2133–2134.