Institut für Theaterwissenschaft (ITW), Bern BE

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Einziges Universitätsinstitut für Theaterwissenschaft in der Schweiz, begründet im Februar 1992, nachdem sich insbesondere die →SGTK schon seit 1927 um die Einrichtung eines Lehrstuhls für Theaterwissenschaft bemüht hatte. Zum Direktor wurde der Theaterhistoriker Prof. Dr. Andreas Kotte berufen, der 1985 in Berlin zum Theater des Mittelalters promoviert hatte und 1988 mit einer Arbeit zu den Strukturveränderungen im ungarischen Gegenwartstheater habilitiert worden war. Die Theaterwissenschaft in Bern untersucht Strukturen und Funktionen von Theaterspiel in der Vergangenheit und Gegenwart. Sie setzt dabei historisches und theoretisches Wissen mit analytischen und dramaturgisch-konzeptionellen Fragestellungen in Beziehung, damit der akademische und vor allem der öffentliche Diskurs über Theater differenzierter und qualifizierter geführt werden können. Der Gegenstandsbereich der Studienprogramme liegt hauptsächlich in der europäischen Theatergeschichte sowie dem gegenwärtigen Theater- und Tanzschaffen der Schweiz. Einbezogen werden alle Theaterformen von regionaler bis internationaler Ausstrahlung. In Lehre und Forschung wurde in den ersten Jahren eine Konzentration auf Theaterhistoriografie vorgenommen, weil die Erstellung einer Theatergeschichte der Schweiz zu den wesentlichen Aufgaben des I. gehört. Die Mehrzahl der bis 2005 neun Dissertationen ist in diesem Bereich angesiedelt. Die Zahl der Studierenden stieg von ursprünglich zwölf auf 225, davon wählt knapp die Hälfte Theaterwissenschaft als Hauptfach. Das I. verfügte bis 2005 lediglich über eine Professur und eineinhalb Assistenzstellen. Für Forschung wurden daher Drittmittel akquiriert, die durchschnittlich 40% des Institutsetats ausmachten. Die Lehre wurde durch die Anwesenheit zahlreicher in- und ausländischer Gastdozentinnen und ‑dozenten bereichert, insbesondere im Rahmen des Erasmus-Austausches. Einzelne Veranstaltungen und Veranstaltungsreihen werden von Dritten finanziert, zum Beispiel kommt das Bundesamt für Kultur für das Pilotprojekt Tanzwissenschaft (2002–06) auf. Das I. ist international mit zahlreichen Universitäten vernetzt, was unter anderem den Erasmus-Studierendenaustausch fördert. Eine Erweiterung der personellen Infrastruktur wird in den nächsten Jahren erfolgen. Nach der Einrichtung einer Forschungsprofessur zum Schwerpunkt Commedia dell’Arte sind auch eine Assistenzprofessur Gegenwartstheater und eine Assistenzprofessur Tanzwissenschaft vorgesehen, wodurch in Bern ein Kompetenzzentrum Theater- und Tanzwissenschaft entsteht. Nach Aufnahme des Lehrbetriebs begründete das I. 1994 (bis 1998 gemeinsam mit der SGTK) zwei Publikationsreihen, um die eigenen Arbeitsergebnisse sowie zugewandte Forschungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Einzelne Publikationen – wie zum Beispiel der Band "Antike Theater und Masken"– werden gemeinsam mit der Schweizerischen Theatersammlung →STS erarbeitet. In den Reihen "Materialien des ITW Bern" und "Theatrum Helveticum" erschienen vor dem "Theaterlexikon der Schweiz" insgesamt siebzehn Bände.

Literatur

  • Mimos 1/1990. Kotte, Andreas: Theaterwissenschaft, 2005.


Autor: Redaktion



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Redaktion: Institut für Theaterwissenschaft (ITW), Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 905–906.