SBKV – Schweizerischer Bühnenkünstler- und Bühnenkünstlerinnenverband

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Der S. ist die wichtigste schweizerische Berufsorganisation für Künstler und Künstlerinnen, die in den Bereichen Theater, Film, Fernsehen und Radio tätig sind. Rechtlich als Verein organisiert, verfolgt der S. den Zweck, die künstlerischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen seiner Mitglieder zu wahren und zu fördern. Sein Tätigkeitsgebiet erstreckt sich über die ganze Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein. Der Sitz des S. befindet sich in Zürich. Dort wurde im August 1920 der "Verband der Bühnenkünstler in der Schweiz" gegründet. Im Februar 1921 folgte in Basel die Gründung des "Chorsänger- und Ballettverbands". Beide Verbände schlossen sich 1933 dem Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) an; 1961 schlossen sie sich unter dem Namen S. zu einem Verband zusammen. In einer Urabstimmung im Mai 1995 beschlossen die Mitglieder, sich vom VPOD zu lösen; seither besteht der S. als unabhängiger Verband. Der S. ist Sozialpartner des Schweizerischen Bühnenverbands (→SBV), mit dem er die an dessen Bühnen geltenden Gesamtarbeitsverträge aushandelt. Der erste Gesamtarbeitsvertrag für das künstlerische Solopersonal wurde im März 1922 abgeschlossen, für das künstlerische Chor- und Ballett-Gruppenpersonal im Januar 1923. Die Bühnenschiedsgerichtsordnung entstand ab Mai 1923. Ab 1933 bestand eine – heute nicht mehr existente – Paritätische Prüfungskommission und Kartothekstelle, die sich aus Vertretern des S., des SBV und des Bundesamts für Industrie, Gewerbe und Arbeit zusammensetzte. An den SBV-Theatern unterhält der S. Ortsgruppen; zusätzlich existieren in den grösseren Städten Gruppen der Freischaffenden. 2002 zählte der Verband über 900 Mitglieder. Oberstes Organ des Verbands ist, unter Vorbehalt der Urabstimmung, die Delegiertenversammlung. Sie wählt den Vorstand (mindestens neun Mitglieder). Der Sekretär oder die Sekretärin führt die Verbandsgeschäfte. Der S. bietet Fachberatung, Rechtshilfe und Rechtsschutz bei arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Streitigkeiten. Zudem hat er einen Hilfsfonds für Bedürftige, eine Altersvorsorge (Charles Apothéloz-Stiftung, Pensionskasse für Freischaffende), eine Kollektivkrankenkasse, eine Umschulungsstiftung (Beratung und Hilfe bei Berufswechsel) sowie eine Fachberatung für Leistungsschutz, Zweitnutzungs- und Urheberrecht. Der S. ist vertreten bei der Schweizerischen Interpretengesellschaft, der Schweizerischen Interpretenstiftung, bei dem Verband →Tanz Schweiz, dem →Centre Suisse ITI, der Verwertungsgesellschaft Swissperform, dem Internationalen Schauspielerverband (Federation International of Actors) und ist assoziiertes Mitglied des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds. Zusammen mit der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA), der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Deutschlands (ver.di) und der Sektion Bühne der österreichischen Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport und freie Berufe (kmsfb) bildet der S. den Kartellverband deutschsprachiger Bühnenangehöriger. Er arbeitet mit anderen Berufsverbänden zusammen. Als offizielles Verbandsorgan erschien 1923–32 (meist monatlich) die Zeitschrift "Schweizer Bühne". Seit 1987 unregelmässig, seit März 1996 vierteljährlich gibt der S. das "Ensemble", ein Informationsblatt für Mitglieder, heraus. Zudem veröffentlicht der S. jährlich einen Vermittlungskatalog für Schauspielerinnen und Schauspieler, Musicaldarsteller und Musicaldarstellerinnen. Weitere Publikationen des S. waren Wilhelm Bickels "Auf der Bühne, und im Leben. Zur sozialen Lage der schweizerischen Bühnenkünstler" (1944) und Herta Raunichers "Warten auf die Sternstunde. Urheberrecht in Revision" (1987).



Autoren: Kurt Bigger/Rolf Simmen



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bigger, Kurt/Simmen, Rolf: SBKV – Schweizerischer Bühnenkünstler- und Bühnenkünstlerinnenverband, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1573.