Andres Müry

Aus Theaterlexikon
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* 6.4.1948 Basel. Sohn des Musikkritikers Albert M.

M. studierte in Berlin Theaterwissenschaft und nahm zugleich Schauspielunterricht. Hospitanzen am Schillertheater Berlin, unter anderem bei Fritz Kortner. Nach Abschluss seines Studiums der Philosophie und Soziologie in Frankfurt arbeitete er als Dramaturg unter Peter Palitzsch an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main. Weitere Engagements als Dramaturg 1978/79 an den →Basler Theatern, 1979/80 an den Wuppertaler Bühnen und 1980/81 an den Bühnen der Stadt Köln; in den dortigen Kammerspielen wurde 1980 M.s Bearbeitung von Ernst Jandls "Aus der Fremde" aufgeführt. Sein besonderes Interesse gilt der Literatur des 19. Jahrhunderts, vor allem Ibsen und Strindberg. M. arbeitet als freier Autor, Journalist und Übersetzer. Er schreibt Satiren, Reisereportagen und Dramolette für Zeitschriften und Anthologien. "Tod eines Kellners" (zusammen mit →Jürg Laederach), 1985 auf der Werkstattbühne der Bühnen der Stadt Bonn uraufgeführt, ist eine apokalyptische Satire über Macht und Ohnmacht des Menschen im nuklearen Zeitalter. Auch M.s nächstes Stück "Körper brennen", wieder gemeinsam mit Laederach, 1986 beim Steirischen Herbst Graz uraufgeführt, kennt keinen lokalisierbaren Krieg. Für die, die die Szene bevölkern, scheint der Krieg zum richtungs- und gesichtslosen Kampf geworden zu sein. "They Shoot Horses, Don’t They?", ein Auftragswerk für das →Theater Basel (Uraufführung 27.9.1988 im Foyer der grossen Bühne), ist die Dramatisierung des 1935 erschienenen Romans von Horace McCoy über einen Tanzmarathon im Amerika der Weltwirtschaftskrise und erzählt das Geschehen aus der Erinnerung eines Tanzveteranenpaars in Form von Rückblenden. Weitere Werke: "Minetti isst Eisbein. Lob der Hinterbühne" (1993). M. übersetzte zahlreiche Werke aus dem Französischen, darunter Dramen von Chantal Akerman und Michel Deutsch. 2001 Publikation zu den Salzburger "Jedermann"-Aufführungen: "Jedermann darf nicht sterben. Geschichte eines Salzburger Kults 1920–2001 ff.".



Autorin: Brigitte Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Marschall, Brigitte: Andres Müry, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1297.

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