Hans Salat

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* 1498 Sursee LU, † 1561 Freiburg, auch Johannes S.

S. besuchte vermutlich die Lateinschule und erlernte wie sein Vater das Handwerk des Seilers in Sursee, 1520 Übersiedlung nach Luzern, 1522–27 zog er sechs Mal als Reisläufer (Söldner) ins Feld, wo er als Schreiber amtete. Teilnahme am ersten und am zweiten Kappeler Krieg, 1529 Erteilung des Luzerner Bürgerrechts, 1531 Ernennung zum Gerichtsschreiber. In den dreissiger Jahren entfaltete S. neben seiner Berufsarbeit eine reiche literarische Tätigkeit. Nach dem zweiten Kappeler Krieg erschien 1531 seine Schmähschrift "Tanngrotz", eine gereimte Darstellung der Kriegsereignisse, auf die →Heinrich Bullinger mit seinem "Salz zum Salat" reagierte. S. antwortete darauf mit der Zwingli-Satire "Triumphus Herculis Helvetici" (1532). Auf Betreiben der Reformierten wurde S. – neben Thomas Murner der schärfste katholische Polemiker – für siebzig Stunden in den Luzerner Wasserturm gesperrt. Es folgten mehrere umfangreiche historische Arbeiten: 1534 die Darstellung des Zugs über den Brünig und die grosse katholische Reformationschronik der Jahre 1517–34 (gedruckt 1536). 1537 erschienen die "Rechte ware History, Legend und Leben des Bruder Claus", das "Büchlein in Warnungsweise an die XIII Orte" und das einzige erhaltene Drama "Der verlorene Sohn", das zu Ostern 1533 auf dem Weinmarkt in Luzern aufgeführt wurde. Aus S.s Tagebuch entnehmen wir, dass er 1530 einen "Traum des Paris" aufführte und dass eine auf das Jahr 1534 geplante Darbietung der "Historia Judith" wegen einer politisch motivierten Intrige nicht zu Stande kam. Bei der berühmten Aufführung des Luzerner Passionsspiels (→Osterspiel) von 1538 war S. verantwortlich für die Bearbeitung des Spieltexts und die Regie. In der Osternacht 1540 spielte er eine "Urstende" (Auferstehungsspiel) in Alpnach. Nachdem S. wegen Schuldenwirtschaft, Betrug und liederlichem Lebenswandel aus Luzern ausgewiesen worden war, liess er sich nach kurzen Aufenthalten in Sursee, Sempach und Saanen 1544 in Freiburg nieder und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Lehrer, Reisläufer, Wundarzt und Wahrsager. Gemäss seinen Tagebuchnotizen führte er 1545 mit Schülern "Die Welt" auf. Wegen einer als anstössig empfundenen Schüleraufführung von 1547 (Text unbekannt) verlor er seine Stelle als Lehrer. Das letzte erhaltene Werk ist ein Lied über den Zug in die Picardie von 1543, ein weiteres über den Zug in Perpignan ist verloren gegangen. S.s abenteuerlich-umgestümes Leben spiegelt sich in der kraftvollen Sprache und der farbigen Szenerie seiner Werke.

Literatur

  • Baechtold, Jakob: H. S., 1876. Cuoni, Paul: H. S., 1938.
  • Müller, Kuno: Das abenteuerliche Leben des Luzerner Dichters H. S., 1967.
  • S., Johannes: Reformationschronik. 1517–34, bearbeitet von Ruth Jörg, 1986.
  • Haas, Walter/Stern, Martin (Hg.): Fünf Komödien des 16. Jahrhunderts, 1989.

Archiv

  • Zentralbibliothek Luzern.


Autorin: Heidy Greco-Kaufmann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Greco-Kaufmann, Heidy: Hans Salat, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1554–1555.

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