Herbert Waniek

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* 17.10.1897 Wien (A), † 12.5.1949 Wien (A). ∞ I. →Mathilde Danegger, Schauspielerin, ∞ II. Ilse Josefine Kipper, Schauspielerin.

Nach Ableistung des Militärdienstes in Innsbruck und an der italienischen Front wurde W. ins Kriegsministerium nach Wien versetzt. Ab 1917 schrieb er erste Beiträge für die Zeitschrift "Ver!"und nahm ab 1918 Schauspielunterricht bei Burgschauspieler Ernst Arndt. 1919 debütierte W. am Landestheater Linz, 1920 war er an der Neuen Wiener Bühne engagiert, 1921 wechselte W. ans Deutsche Theater in Brünn, wo er seine ersten Regiearbeiten leistete. 1922–24 war W. im Ensemble des Deutschen Volkstheaters in Wien, ab 1924 spielte er unter Max Reinhardt am Theater in der Josefstadt in Wien, wo er auch als Regisseur von Matineevorstellungen moderner Dramatik wirkte und zu den Begründern des "Theaters des Neuen in der Josefstadt" zählte (unter anderem 1926 Inszenierung von →Bertolt Brechts "Lebenslauf des Mannes Baal"). 1927–30 war W. Schauspieler, Regisseur, ab 1928 auch Oberspielleiter unter →Ferdinand Rieser am →Schauspielhaus Zürich; unter anderem spielte er die Titelrolle in Kleists "Amphitryon" und Ferdinand in Schillers "Kabale und Liebe", inszenierte Leonhard Franks "Karl und Anna" und Hofmannsthals "Jedermann", jeweils in selbst entworfenen Bühnenbildern, sowie die Uraufführung von →Cäsar von Arx’ "Die Geschichte vom General Johann August Suter". Neben streng stilisierten Klassikerinszenierungen, etwa von Shakespeares "Hamlet" oder Goethes "Faust" in einer aus Orgelpfeifen, Palisaden und Röhren bestehenden Einheitsdekoration, setzte W. insbesondere auch Zeitdramen wie beispielsweise Bruckners "Die Verbrecher" in Szene, orientiert an den Inszenierungen Erwin Piscators, häufig unter Verwendung von Simultan- und Drehbühnen, Lautsprechern, Film- und Diaprojektionen. 1930 wurde W. als Oberspielleiter an die Städtischen Bühnen in Essen berufen. 1931–33 inszenierte er erneut am Schauspielhaus Zürich (unter anderem Richard Duschinskys "Theater", Molnárs "Die Fee", Christa Winsloes "Gestern und heute", John Galsworthys "Flucht", die Uraufführung von →Walter Leschs "Die tödliche Ordnung", Erich Ebermayers "Professor Unrat" nach dem Roman von Heinrich Mann). Ab 1933 war W. Schauspieler und Hausregisseur, ab 1943 auch Oberspielleiter am Burgtheater Wien, wo er über sechzig Dramen inszenierte, darunter Raimunds "Der Verschwender", Nestroys "Der Talisman", Tirso de Molinas "Don Gil von den grünen Hosen", Shakespeares "Was ihr wollt", Molières "Der eingebildete Kranke", Csokors "Kalypso" (1946 als Gastspiel auch am →Stadttheater Basel) und Shakespeares "Ein Sommernachtstraum". 1949 verstarb W. als designierter Direktor des Salzburger Landestheaters.

Literatur

  • Wagner, Friedrich: H. W. als Regisseur, Dissertation Wien, 1959.
  • Mayerhöfer, Josef (Hg.): H. W. Ein österreichischer Regisseur (1897–1949), 1977.


Autorin/Autor: Julia Danielczyk/Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Danielczyk, Julia/Blubacher, Thomas: Rolf Lansky, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2050.

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