Hugo Ball

Aus Theaterlexikon
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* 22.2.1886 Pirmasens (D), † 14.9.1927 Sant’Abbondio (heute: Gentilino) TI. ∞ 1920 →Emmy B.-Hennings.

B. studierte 1906–10 Germanistik, Geschichte und Philosophie in München und Heidelberg. 1910 begann er eine Regieausbildung an der Schauspielschule des Deutschen Theaters (Direktion: Max Reinhardt) in Berlin. 1911 wurde B. Dramaturg und Regisseur am Stadttheater Plauen und veröffentlichte mit "Die Nase des Michelangelo" sein einziges zu Lebzeiten integral gedrucktes Theaterstück. Ein Jahr später wechselte er an die Münchner Kammerspiele, betätigte sich aber auch als Theaterkritiker und ‑theoretiker und arbeitete für Theaterverlage. 1915 löste sich der Kriegsgegner B. vom konventionellen Theaterbetrieb und emigrierte mit seiner zukünftigen Frau Emmy Hennings in die Schweiz, wo beide zunächst in Varietés auftraten. 1916 gründete B. in Zürich mit Hans Arp, Richard Huelsenbeck, Marcel Janco und Tristan Tzara das →Cabaret Voltaire, Zürich ZH; damit formierte sich der Dadaismus. B.s Beitrag zum Programm des Cabarets bestand vor allem in Lautgedichten, die er selbst vortrug. Diese Zürcher Periode stellte B. im Roman "Flametti oder vom Dandysmus der Armen" (1918) dar. B. löste sich bald darauf von der Dada-Gruppe und begann, für "Die Weissen Blätter" von René Schickele und für die pazifistische "Freie Zeitung" in Bern zu schreiben. Nach einer Reise ins kriegsversehrte Deutschland liess sich B. 1920 im Tessin nieder, wo er sich mit Hermann Hesse befreundete, den er in einer Biografie porträtierte (1927). Das kulturkritische Schaffen der Spätphase ist von B.s Rückwendung zum Katholizismus geprägt. Weitere Bühnenwerke: "Der Henker von Brescia" (entstanden um 1913, erstmals vollständig gedruckt 1993), "Nero" (entstanden um 1914, gedruckt 1985), "Simultan Krippenspiel" (gedruckt 1986), ferner "Des Teufels Erdfahrt" (ungedrucktes Puppenspiel, entstanden um 1907) sowie die verschollenen Dramen "Antonius und Kleopatra" (um 1903) und "Die Nacht" (um 1915).

Literatur

  • Teubner, Ernst (Hg.): H. B. [Ausstellungskatalog], 1986.
  • Teubner, Ernst (Hg.): H. B. Eine Bibliographie, 1992.

Nachlass

  • Robert Walser-Archiv, Zürich.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Hugo Ball, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 104–105.

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