Joachim Schlömer

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* 27.5.1962 Monheim (D).

Nach dem Abitur 1984–88 Tanzausbildung an der Folkwang Hochschule in Essen. 1987 tanzte S. auf Tournee durch Osteuropa mit dem Wuppertaler Tanztheater von Pina Bausch in "Frühlingsopfer" (Musik: Strawinskys "Le Sacre du printemps"). 1988–91 Engagement als Tänzer bei Mark Morris am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel; zahlreiche Gastspiele in Europa und den USA. 1990 gründete S. seine erste eigene Gruppe, die Compagnie Josch, die zu zahlreichen Festivals eingeladen wurde. Es entstanden erste abendfüllende Produktionen wie "Shoulder to Shoulder" (Musik: Test Department, 1990) und "Der Tod und das Mädchen" (Musik: Schubert, 1991). 1991–94 war S. Ballettdirektor am Ulmer Theater, für das er die folgenden Choreografien schuf: 1992 "Schwarzwälderkirsch" (Musik: John Cage), "Louisiana Mama" für ein zwölfköpfiges, auf Torf tanzendes Ensemble (Musik: unter anderem Cajun, Elvis Presley, Louis Armstrong), 1993 "Albert zieht um" (Musik: Schubert), "Neuschnee in Troja" (Musik: Galina Ustwolskaja, Beethoven) und "Orestie" (Musik: Iannis Xenakis). Für Michail Baryschnikows "White Oak Dance Project" choreografierte S. "Behind White Lilies" (Musik: Schönberg, Lincoln Center in New York, 1994), "Blue Heron" (Musik: Alfred Schnittke, Teatro Lirico in Mailand, 1994) und "Stille Nacht" (Musik: Schnittke, Opernhaus in Istanbul, 1996). 1994–96 leitete S. das neu formierte Tanztheater am Deutschen National Theater Weimar. In dieser Zeit entstanden "Und in der Ferne die Nacht" (Musik: Goldberg-Variationen von Bach), "Kraanerg" (Musik: Xenakis), "Hochland oder Der Nachhall der Steine" (Musik: Michael von Hintzenstern/Hans Tutschku) und "Hamlet I, II, III" (Musik: Ustwolskaja). 1996–2001 war S. Direktor des Tanztheaters am →Theater Basel. Dort choreografierte er unter anderem "Herbst" (für drei Tänzer und Streichquintett live, Musik: Schubert, 1996), "Orfeo ed Euridice" (mit drei Vokalsolisten und Chor, Musik: Gluck, 1997), "Lissabon-Projekt" (Musik: von Hintzenstern/Tutschku, 1998), "may day" (Musik: Kol Simcha, 1998), "La guerra d’amore" (1999 Koproduktion mit den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik und der Schola Cantorum Basiliensis, Premiere in Innsbruck, 2000 zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen), "Hamlet – to sleep/no more" nach Shakespeare (Musik: Ustwolskaja, György Ligeti, 2000) und "Senza fine oder Als Rimini noch schön war" (Musik und Arrangement: Max Küng/Robert Hermann, 2001). Zudem nahm er seine früheren Werke "Hochland oder Der Nachhall der Steine", "Der Tod und das Mädchen" und "Kraanerg" wieder auf. 1997 schuf er für die Opéra National in Lyon "Concerto" und "Petruschka" (zweiteiliger Strawinsky-Abend, 2000 mit einem dritten Teil auch am Theater Basel). Seit 2001 ist S. freischaffend tätig. 2002 choreografierte er am →Luzerner Theater "Les Larmes du ciel" und für die Salzburger Festspiele "The Day I Go to the Body". Als Regisseur inszenierte S. 1998 "Parzival" von Oliver Reese nach Wolfram von Eschenbach (Koproduktion des Maxim Gorki Theaters und des Hebbel-Theaters Berlin), an der Stuttgarter Oper 1999 →Richard Wagners "Das Rheingold", 2000 Offenbachs "Les Contes d’Hoffmann" sowie 2002 Monteverdis "L’Orfeo", am Burgtheater Wien 2001 das Antonin-Artaud-Projekt "Die Nervenwaage" sowie 2003 Hofmannsthals "Elektra" und für das Festival Steirischer Herbst in Graz 2003 die Uraufführung von Olga Neuwirths Oper "Lost Highway" (Koproduktion mit dem Theater Basel). 2002 entstand während der Salzburger Festspiele das Filmporträt "Lust und Qual" von Norbert Beilharz (Bayerisches Fernsehen).

Auszeichnungen

  • 1995 Förderpreis der Deutschen Intendanten (Otto-Kasten-Preis),
  • 1997 Preis des Verbands Deutscher Kritiker.

Literatur

  • Hinzmann, Jens et al.: Tanztheater heute, 1998 [mit Werkverzeichnis].


Autorin: Marianne Mühlemann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Mühlemann, Marianne: Joachim Schlömer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1611–1612, mit Abbildung auf S. 1611.

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