Kaspar Fischer

Aus Theaterlexikon
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* 19.5.1938 Zürich, † 23.1.2000 Männedorf ZH. Sohn des Zeichners und Malers Hans F. und der Teppichkünstlerin Bianca F.-Wassmuth. ∞ II. 1995 Ingrid Heitmann, Schauspielerin.

Nach der Matura 1957 absolvierte F. 1958–61 die Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Während der Ausbildung Auftritte in Wien am Burgtheater und am Theater in der Josefstadt (Taplow in Terence Rattigans "Das Abschiedsgeschenk"). Erstes Engagement 1961–63 an den Vereinigten Bühnen Graz. Dort spielte er unter anderem Richard in O’Neills "O Wildnis!", Erich Spitta in Hauptmanns "Die Ratten" und Thomas in Molières "Der eingebildete Kranke". 1962 wurde in der Ausstattung von F. dessen Version von "Die Bremer Stadtmusikanten" mit zusätzlichen Rollen wie Wind (Blasebalg), Windmühle, Auto, Schrank, Feuer und Wasser aufgeführt. 1963–67 war F. unter der Direktion von August Everding an den Münchner Kammerspielen engagiert, anschliessend freischaffend in verschiedenen Kunstgattungen tätig. F. entwickelte rund zwanzig Programme, in denen er nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und Dinge verkörperte. Legendär ist seine Darstellung einer Gemüsesuppe und von deren Zutaten. Oft zeichnete er während seinen Vorstellungen. Charakteristisch für viele von F.s Stücken, für die er auch Bühnenbilder und Kostüme herstellte, waren zudem das Schattentheater sowie seine unzähligen, teils skurrilen Masken, die er aus verschiedensten Materialien anfertigte. F. schuf fantastische Welten und arbeitete oft mit Improvisation, Wortspielen und Assoziationen. Ein immer wiederkehrendes Thema waren wundersame Metamorphosen, die zeigten, dass nichts bestimmt und starr, sondern alles mehrdeutig und wandelbar ist. F. trat vor allem in Kleintheatern der Schweiz, teils in Deutschland und anderen europäischen Ländern sowie an verschiedenen Festivals auf. Er zeigte unter anderem "Zirkus", 1963 als geschlossene Aufführung in München und ab 1966 in der Schweiz, 1968 "Ein Mensch wird gemacht" (Neufassung dieses Stücks 1993 unter dem Titel "Ein gemachter Mann"), 1969 gemeinsam mit Olga Piazza, Regine Wolfensberger und →Urs Hefti "Pantalone geht ins Kloster", 1972 "Der Kellner", 1979 "Zuschauer im Hirn", 1980 "Untierhaltung", das Ausschnitte aus verschiedenen Stücken enthielt, 1986 in Zusammenarbeit mit Regula Gerber (Kontrabass) und der Tänzerin Gudula Rettler "Der Inselfisch" nach einem Motiv von Hans F., 1988 "Der Omelettenheilige" und 1991 "Der Lebensbaum" als Beitrag zur 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft. Zusammen mit Heitmann erarbeitete F. "Die Makkaronisten" (1995) und "Das Piratengeschenk" (1997). Er schuf auch Stücke für Kinder, beispielsweise 1974 "Christoph Kolumbus", das jeweils von Kindern aus dem Publikum gespielt wurde. F.s Zeichnungen, Aquarelle, Kleinskulpturen und Masken wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, unter anderem in der Berliner Nationalgalerie und im Strauhof Zürich. Er schuf zudem Illustrationen, darunter 1981 für Peter Nolls "Schweizerisches Strafrecht", und veröffentlichte viele Bücher mit Texten und Bildern, beispielsweise "Der Kellner" (1973), die Buchfassung zum gleichnamigen Programm, "Mondkuchen und Fledermäuse" (1986) mit Aufzeichnungen seiner Chinareise, den Roman "Mit Hänsel und Gretel durch das Jahr" (1980), welcher von Februar 1977 bis Oktober 1978 im Magazin der "Basler Zeitung" erschien, das Kinderbuch "Tanaswarímbantac" (1993) und "Wetzelsmund Föraltepise – Pustohelfisische Texte und Zeichnungen" (1998). Einige von F.s Programmen wurden vom Fernsehen aufgezeichnet.

Auszeichnungen

  • 1982 Deutscher Kleinkunstpreis.

Literatur

  • Bodmer, Thomas: Untierhaltung. Das Gesamtkunstwerk K. F., 2001.

Nachlass

  • Zentralbibliothek Zürich.


Autorin: Sara Baumann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Baumann, Sara: Kaspar Fischer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 600–601.

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