Konrad Ernst Ackermann

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

* vermutlich 1.2.1712, getauft 4.2.1712 in Jabel bei Schwerin (D), † 13.11.1771 Hamburg (D). ∞ 1749 Sophie Charlotte Schröder, Schauspielerin. Töchter: Dorothea und Charlotte A., Schauspielerinnen, Stiefsohn Friedrich Ludwig Schröder, Schauspieler, Theaterdirektor.

Höhere Schulbildung, vermutlich Medizinstudium. Militärdienst als kaiserlich-russischer Leutnant. 1739 Debüt, dann Engagement als Schauspieler bei der Wandertruppe von Johann Friedrich Schönemann. Vom 31.10.1753 bis zu seinem Tod (ausser in den Jahren der Hamburger Entreprise 1767–69) war A. Direktor einer eigenen Schauspielergesellschaft (anfänglich siebzehn Mitglieder), die in etwa 5900 Tagen zirka 3000 Vorstellungen in vierzig Städten hauptsächlich in Nord- und Ostdeutschland gab. 1755 Eröffnung von A.s Theatergebäude in Königsberg (Preussen). Bereits Anfang 1757, ein Jahr vor der Besetzung Königsbergs durch russische Truppen, Flucht nach Leipzig, schliesslich in die Schweiz, wo A. mit seiner jetzt zirka vierzig Personen umfassenden Truppe von Oktober 1757 bis November 1760 in zahlreichen Schweizer Städten ungefähr 360 Vorführungen gab: 1757 an der Basler Herbstmesse, 1758 in Zürich (am 9.7.1758 Predigt des Antistes Hans Conrad Wirz im Grossmünster gegen das Theater) und in Winterthur (1758 Uraufführung von Wielands "Lady Johanna Gray"), Schaffhausen, Zurzach (1758 Molières "Der Geizige"), Baden, Basel und Bern (1758 Neubearbeitung des Urner Tellenspiels, 1759 Lessings "Miss Sara Sampson", von A. bereits 1755 in Frankfurt an der Oder uraufgeführt), 1759 in Aarau, nochmals in Baden und Bern, Luzern und Solothurn (1759 →Franz Jakob Hermanns "Das Gross-Müthig- Und Befreyte Solothurn"); die letzte Vorstellung fand am 14.11.1760 in Basel statt. Ab 1761 im Elsass, kehrte A. 1763 nach dem Ende des Siebenjährigen Kriegs nach Norddeutschland zurück. 1765 eröffnete er in Hamburg ein eigenes Theatergebäude, das Schauspielhaus am Gänsemarkt, das er jedoch Ende 1766 weiterverpachten musste. Die Hamburger Kaufleute Seyler, Tillemann und Bubber gründeten mit den "Effekten" der Gesellschaft und dem Grossteil der Ackermann’schen Truppe am 22.4.1767 die "Hamburger Entreprise", die als Projekt eines ersten "Deutschen Nationaltheaters" in die Theatergeschichte eingehen sollte (siehe Lessings "Hamburgische Dramaturgie"). Trotz Enthusiasmus und finanzieller Unterstützung scheiterte das Vorhaben: An Ostern 1769 übernahm A. die Leitung des Theaters wieder und reiste zudem mit seiner Wandertruppe von Ort zu Ort. Folgende Autoren hatten den quantitativ grössten Anteil (mehr als vierzig Aufführungen) am Repertoire der Truppe: Voltaire, Weisse, Destouches, Molière, Goldoni, Lessing und Schlegel. Als Schauspieler gab A. zunächst die jugendlichen Liebhaber und Heldendarsteller, unter anderem Zamoro in Voltaires "Alzire", die Titelrolle in Corneilles "Polyeucte" und Don Rodrigo in dessen "Cid", die Titelrolle in Gottscheds "Cato". Mit zunehmendem Alter und wachsender Leibesfülle übernahm A. das Fach der tragischen Väter und die Königsrollen. Vor allem wurde er durch die Darstellung lebensnaher, bürgerlicher Figuren bei Molière (Harpagon in "Der Geizige" war über dreissig Jahre lang eine seiner Glanzleistungen) und Holberg berühmt.

Literatur

  • Fehr, Max: Die wandernden Theatertruppen in der Schweiz, 1949.
  • Eichhorn, Herbert: K. E. A., ein deutscher Theaterprinzipal, 1965.


Autorin: Simone Gojan



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gojan, Simone: Konrad Ernst Ackermann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 26-27.

Normdaten