Mathias Gundelfinger

Aus Theaterlexikon
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* unbekannt, † 1518 Zurzach AG.

G. stammte vermutlich aus der Bastardlinie des süddeutschen Freiherrengeschlechts und war wahrscheinlich der Sohn des Stiftsprobsts Nikolaus G. in Beromünster. Zu einem unbestimmten Zeitpunkt wurde G. Chorherr des St. Verenastifts in Zurzach und verfasste den 1494 dort aufgeführten "Ludus de resurrexione Cristi" (in der frühen Forschung als "Luzerner Grablegungsspiel" bezeichnet), 1503 berichtete G. über eine aussergewöhnliche Verenafeier, ab 1510 amtete er als Stiftskeller und verfasste das grosse Stiftsurbar von 1511. Das "Zurzacher Passionsspiel" von 1494 ist nur als Bruchstück überliefert und enthält folgende Szenen: →Marienklage, Abnahme vom Kreuz, Beweinung und Grablegung. Die in den Regieanmerkungen enthaltenen Hinweise auf lateinische Gesänge und Spielerprozessionen lassen auf eine liturgische Einbindung schliessen. Die Handschrift enthält das älteste bekannte Darstellerverzeichnis eines deutschen Dramas. Einzelne Verse aus G.s Passionsspiel werden von →Jakob Ruf für sein Spiel vom "Lyden unseres Herren Jesu Christi" von 1545 übernommen.

Literatur

  • Mundt, Erika: Das Luzerner Spiel von Christi Tod und Grablegung, 1919.
  • Reinle, Adolf: G.s Zurzacher Osterspiel von 1494. In: Innerschweizerisches Jahrbuch für Heimatkunde 13–14/1949–50.
  • Evans, Marshall Blakemore: G.s Grablegung and the Lucerne Passion Play. In: The Germanic Review 4/1929.
  • Sidler, Viktor: Wechselwirkungen zwischen Theater und Geschichte, 1973.


Autorin: Heidy Greco-Kaufmann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Greco-Kaufmann, Heidy: Mathias Gundelfinger, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 771.

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